Wie Maschinen sind die allermeisten Unternehmen darauf ausgelegt, effiziente, gut planbare Ergebnisse zu liefern – und Abweichungen möglichst zu vermeiden. Im Zeitalter von Massenproduktion und Top-down-Planung war das für viele Unternehmen auch tatsächlich goldrichtig. Inzwischen sieht die Welt anders aus: Vor allem Anpassungsfähigkeit, Innovation und die Fähigkeit, vertrauensvolle Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitenden aufzubauen, entscheiden über den Unternehmenserfolg.
Jana Werner und Phil Le-Brun, Executives in Residence bei Amazon Web Services, plädieren in unserer neuen Ausgabe deshalb für ein grundlegend anderes Paradigma. Vorbild ist der Oktopus: Dieser Meeresbewohner ist nicht nur erstaunlich anpassungsfähig – er ist auch überaus neugierig und intelligent. Er kann seine Arme unabhängig voneinander bewegen und dennoch perfekt koordinieren.
Genau darin sehen Werner und Le-Brun eine Parallele zu Unternehmen, die in komplexen Umfeldern erfolgreich agieren und sich kontinuierlichem Wandel anpassen müssen: „Oktopus-Unternehmen erschließen die Intelligenz ihrer Mitarbeitenden und integrieren unterschiedlichste Maßnahmen auf natürliche, elegante Weise. Sie registrieren subtile Signale, lernen daraus – und ändern rasch den Kurs, um Unwägbarkeiten zu meistern“, schreiben sie. Doch so anpassungsfähig Oktopus-Unternehmen auch sind, im Zentrum steht stets die Frage: Schaffen wir damit Mehrwert für unsere Kunden?
Spoiler: Die dafür nötigen Veränderungen gelingen nicht von heute auf morgen – und sie folgen auch keinem festen Stufenplan. „Wie beim Aufbau einer stabilen Ehe ist das ein chaotischer, sich ständig wandelnder Prozess; keiner, der nach Schema F funktioniert“, schreiben Werner und Le-Brun. Nötig sei vielmehr eine grundlegende Verschiebung der Denkweise:
Gestalten Sie die Veränderungen gemeinsam „Nutzen Sie das Wissen, die Erfahrung und die Motivation der Menschen, die die wichtigsten Probleme im Unternehmen am besten kennen“, raten unsere Autoren.
Verknüpfen Sie Lernen und Wirksamkeit Verankern Sie Experimente in Ihrer täglichen Arbeit, statt sie getrennt davon laufen zu lassen. Dabei kommt es nicht darauf an, einfach etwas zu verändern, sondern herauszufinden, was tatsächlich Wirkung entfaltet.
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Machen Sie weniger, um mehr zu erreichen Versuchen Sie nicht, Probleme zu lösen, indem Sie die nächste Maßnahme in Gang setzen oder noch einen Prozess etablieren. Suchen Sie lieber nach Dingen, die Sie weglassen können: etwa einen Prozess, eine Kontrollinstanz oder eine unproduktive Routine.
Erkennen Sie schädliche Muster
Was bremst Sie aus? Werner und Le-Brun haben in vielen Gesprächen mit Führungskräften die Klassiker identifiziert:
Verhaltensweisen, die Klarheit unterminieren In vielen Unternehmen bleibe das Leitbild vage und unspezifisch. Es werde von oben verordnet, während strategische Ziele abstrakt formuliert sind. Zugleich würden Informationen in Silos gehortet und unangenehme Neuigkeiten auf dem Weg nach oben durch die Hierarchien immer weiter abgeschwächt. Kein Wunder, dass der echte Kontext fehlt, wenn Lösungen entwickelt werden sollen – und nicht klar ist, nach welchen Maßstäben Entscheidungen getroffen werden.
Verhaltensweisen, die Verantwortung untergraben In vielen Unternehmen ist eigenständiges Handeln nach wie vor nicht gern gesehen, schreiben unsere Autoren. Führungskräfte betrieben Mikromanagement und gingen davon aus, ihre Leute müssten immer erst angetrieben werden, um produktiv zu sein. Doch das sei grundfalsch – und teuer. Die Forschung beziffert die Kosten, die entstehen, wenn der Wunsch zur Eigeninitiative unterdrückt wird und dadurch die Produktivität zurückgeht, auf 8,9 Billionen US-Dollar.
Verhaltensweisen, die die Neugier ersticken Ohne Neugier verkrusten Unternehmen. Sie optimieren, was sie bereits kennen – und werden blind für aufkommende Chancen und Risiken. Im Oktopus-Unternehmen ist Neugier dagegen die wichtigste Triebfeder der Anpassung. Sie nährt ein tiefes Verständnis der Kunden und den Blick für das, was möglich ist.
Wagen Sie Experimente!
Formulieren Sie eine Hypothese – und setzen Sie ein passendes Experiment auf. Der Nachweis, dass Ihre Annahme falsch war, ist dabei genauso wertvoll wie ihre Bestätigung. Denn Ihre Tests liefern wichtige Hinweise darauf, ob der richtige Zeitpunkt gekommen ist,
mit etwas aufzuhören,
von einem bestehenden Prozess abzuweichen und/oder
ein neues Tool oder einen neuen Prozess einzuführen.
Sie möchten wissen, ob es sich für Ihr Unternehmen lohnt, zum Oktopus-Unternehmen zu werden, welche Experimente dafür geeignet sind und wie Sie dabei vorgehen? Dann empfehle ich Ihnen unseren Artikel „Führen Sie schon ein Oktopus-Unternehmen?“ (HBm+)
Ich wünsche Ihnen einen großartigen Mittwoch! Christiane Sommer
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