Wer hat eigentlich den Like-Button erfunden? Die allermeisten von uns glauben, das Daumen-hoch-Symbol wäre der geniale Einfall eines Facebook-Mitarbeiters gewesen. Doch weit gefehlt: Unser Autor Bob Goodson fand beim Umzug eine Skizze des Gefällt-mir-Buttons, den er im Mai 2005 für das Bewertungsportal Yelp entworfen hatte. Bei Yelp hatte man sich jedoch für eine andere Lösung entschieden, und Goodson hatte seine Zeichnung daheim wegsortiert. Als Facebook begann, den hochgereckten Daumen als Symbol für positives Feedback zu nutzen, hatte er seinen Entwurf längst vergessen.
Die Entdeckung der Entwurfsskizze veranlasste Goodson, inzwischen President und Gründer des KI-Unternehmens Quid, und Martin Reeves, Senior Partner bei der Boston Consulting Group sowie Leiter des Henderson Institute, zu einer Recherche über die Urheberschaft. War Goodson etwa der Erfinder des inzwischen weltweit bekannten Like-Buttons? Um es vorwegzunehmen: Trotz intensiver Recherchen haben die beiden nicht herausgefunden, wer genau Urheber der Schaltfläche ist.
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Dennoch haben der Unternehmer und der Berater bei ihren Nachforschungen eine Menge über Innovation gelernt. Ihre Erkenntnisse haben sie in einem Buch beschrieben und für die aktuelle Ausgabe von HBm zusammengefasst. Warum es sich lohnt, den Artikel zu lesen? Weil die Konzeption, die Entwicklung sowie die Verbreitung des Like-Buttons eine Art Mini-Fallstudie ergeben, die das wahre Wesen von Innovationen zeigt: Anstatt in einem klar definierten Prozess vom Konzept bis zur Einführung entstehen Neuerungen nämlich häufig dezentral und beginnen oft weit weniger ambitioniert, als Heldengeschichten zum Thema glauben machen. Nicht zuletzt deshalb halten Reeves und Goodson es für so wichtig, dass Unternehmen ihre klassischen Innovationsprozesse auf den Prüfstand
stellen und optimieren. Denn immer wieder Neues in die Welt zu bringen, halten beide Autoren angesichts eines zunehmend schwierigen Umfelds für überlebenswichtig.
Diese fünf Ansätze helfen:
Seien Sie offen für Anomalien
„Der erste Funke für eine Innovation entsteht oft aus einer Anomalie, durch die Unternehmen auf neue Möglichkeiten oder Verfahren kommen. Das kann eine kleine Kundengruppe sein, die ihre eigenen kreativen Lösungen entwickelt, oder ein unkonventioneller Mitbewerber, der ungewöhnliche Wege geht“, schreiben die Autoren. Folgendes unterstützt Sie dabei:
Führen Sie Buch.
Messen Sie, wie häufig aktuelle Trends, Mitbewerber und Kunden in Meetings zur Sprache kommen. Werden diese Faktoren nicht regelmäßig berücksichtigt, setzen Sie sie auf die Tagesordnung.
Leben Sie Kundenkontakt vor. Seien Sie Vorbild und verpflichten Sie Topmanagerinnen und -manager, einen erheblichen Teil ihrer Zeit auf die Kundinnen und Kunden des Unternehmens zu verwenden. Dann werden es auch ihre Teammitglieder tun.
Fördern Sie Austausch. Es ist auffällig, wie häufig die Pioniere des Like-Buttons Treffen oder Gespräche außerhalb ihres Büros erwähnten. „Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an solchen Gesprächen teilzunehmen oder sie selbst anzustoßen“, raten Goodson und Reeves.
Beobachten Sie Außenseiter. Finden Sie heraus, wer sie sind, warum sie tun, was sie tun, welche Folgen es hätte, wenn sie recht hätten – und wie all das die Innovationsbemühungen Ihres Unternehmens befruchten könnte.
Gehen Sie Schritt für Schritt vor
Innovation erfolgt meistens nicht durch einen einzigen großen Sprung nach vorn, sondern in kleineren Etappen.
Handeln Sie ohne Masterplan. Auch der Button ist nicht dadurch entstanden, dass jemand ein neues Monetarisierungsmodell für die Social-Media-Branche gesucht hatte – ursprünglich sollte er die Nutzer dazu bringen, Onlinebewertungen zu verfassen und leichter mit den Website-Inhalten zu interagieren.
Testen Sie früher. Je schneller Sie Ihre Idee testen, desto früher können Sie sie anpassen oder verwerfen.
Seien Sie offen für Überraschungen. In allen Entwicklungsphasen kommt es zu positiven wie negativen Überraschungen – nutzen Sie sie!
Beerdigen Sie den Mythos des Erfindergenies
„Innovation ist ein sozialer Prozess innerhalb des Unternehmens, der Visionärinnen, Kritiker, Wissenschaftlerinnen, Ingenieure, Systematikerinnen, Kommunikationstalente, Unterstützer und viele mehr braucht“, sind Reeves und Goodson überzeugt. So machen Sie sich den sozialen Aspekt von Innovation besser zunutze:
Zeigen Sie Wertschätzung.
Stellen Sie sicher, dass alle an einer Innovation beteiligten Akteure Lob abbekommen. Schaffen Sie eine Kultur, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Mitmachen ermutigt.
Fördern Sie Talentvielfalt. Wenn Teams verschiedene Denkweisen vereinen, entstehen bessere Innovationen. Sorgen Sie für Diversität.
Zeigen Sie Bescheidenheit. Ein Großteil der Innovationen, die Ihr Unternehmen benötigt, um weiterzuwachsen, wird wahrscheinlich nicht innerhalb der eigenen Mauern entwickelt. Erkennen Sie dies an, gerade auch bei anfänglichen Erfolgen. Damit machen Sie den ersten Schritt, um aus einem breiteren Pool von Erkenntnissen und Talenten zu schöpfen.
Bürokratie habe durchaus ihre Berechtigung, so die Autoren. Manche Unternehmen übertreiben es ihrer Ansicht nach jedoch mit dem Systematisieren, Standardisieren und Optimieren. So gelingt es Ihnen, innovative Umgebungen zu steuern und gleichzeitig unternehmerischem Denken und Flexibilität Raum zu geben:
Fördern Sie Neugier.
Schaffen Sie eine Kultur, die von außen nach innen denkt. Als Führungskraft können Sie dies vorleben, indem Sie neugierig sind und Fragen stellen, anstatt Anweisungen zu geben.
Vermeiden Sie Durchschnitt. „Wenn nur die Gesamtperformance zählt oder in Präsentationen ein Durchschnittswert angegeben wird, verfestigen sich Glaubenssätze und Vorgaben, Eigeninitiative und damit Innovation werden im Keim erstickt“, warnen Reeves und Goodson.
Lassen Sie Veränderung zu. Betrachten Sie Ihre aktuellen Ziele und Strategien als temporäre Pläne, die sich ändern lassen. So kann Ihr Unternehmen angesichts neuer oder unerwarteter Erkenntnisse Pläne ändern oder eine Kehrtwende vollziehen.
Üben Sie, anders zu denken
„Um sich in der chaotischen Welt der Innovation zurechtzufinden, brauchen Unternehmen vor allem eine neue Geschäftslogik. In etablierten Organisationen dienen die meisten Prozesse der Strategieentwicklung und -umsetzung, und der Fortschritt wird anhand relativ starrer Ziele gemessen“, sind die Autoren überzeugt. Dieser Ansatz führe aber häufig zu unvorhersehbaren und kreativen Innovationsprozessen, wo sie gar nicht viel bewirken. Die Alternative sei jedoch nicht, Planung durch Passivität und Chaos zu ersetzen, sondern durch evolutionäres und narratives Denken.
Sie möchten wissen, wie sich eine solche Denkweise in Ihrem Unternehmen etablieren lässt? Dann empfehle ich Ihnen unser Stück „Wer hat eigentlich den Like-Button erfunden?“ (HBm+) von Bob Goodson und Martin Reeves.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Mittwoch! Christiane Sommer
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