Hurra, hurra, der Tankrabatt ist da. Oder doch nicht? Wenige Tage nach der Einführung steigen die Preise für Benzin und Diesel bereits wieder und liegen weit nördlich der 2-Euro-Marke
. Auf die Spritpreisspirale haben hierzulande allem Anschein nach immer weniger Autofahrer Lust. Stattdessen erklimmen die Verkaufszahlen von Elektroautos nie gesehene Höhen. Im September kamen hierzulande 88.600 neue Stromer auf die Straße. Neuzulassungsanteil: 34,5 Prozent, neuer Rekord.
Vom Boom der BEVs (Battery Electric Vehicles) profitieren aber nicht alle Anbieter. Gerade die Top-End-Kundschaft ist bis dato alles andere als elektrisiert. Woran das liegt, erfahren Sie in einem unserer Themen der Woche:
Wie sich die Vermögen von Deutschlands Automilliardären entwickeln
Warum kaum jemand elektrische Supersportwagen kaufen will
Wie Michael Leiters Porsche sanieren will
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Thema der Woche: Wie sich die Vermögen von Deutschlands Automilliardären entwickeln
Die reichsten Autoclans: Die Erben des Knorr-Bremse-Imperiums, Witwe Nadia Thiele und Tochter Julia Thiele-Schürhoff, Georg Schaeffler, für die Familie Porsche im Bild Oliver Porsche (unten v. l. n. r.); die Autodoc-Gründer
Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel und die BMW-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt (oben v. l. n. r.)
Collage: manager magazin; Fotos [M] Autodoc, Sven Hoppe / dpa, Frank Hoermann / Sven Simon / IMAGO, Brauer Photos / S. Brauer, Schellnegger / SZ Photo / picture alliance, Daniel Karmann / Schaeffler, Jose Giribas / picture alliance, AdobeStock (2) / picture alliance
Deutschlands Autodynastien fahren gerade nicht auf der Überholspur. Die Multikrise der automobilen Zunft lässt auch die Vermögen einiger ihrer superreichen Eigentümer schrumpfen. Mitleid muss man deshalb etwa mit den BMW-Erben und reichsten Autodeutschen, Susanne Klatten (64) und Stefan Quandt
(60), sicher nicht haben; mit geschätzt 33,3 Milliarden Euro auf der Habenseite sollten sie trotz zuletzt weniger Freude am Fahren immer noch gut durchkommen. Einigen Milliardären aus dem Autozirkel ist es in den vergangenen zwölf Monaten gar gelungen, ihre Reichtümer weiter anzuhäufen. Meine Kollegin Anna Driftschröer verrät Ihnen, wer das ist und was dafür ausschlaggebend war (m+).
Herr der Sportwagenschmiede: Michael Leiters im Chefbüro in Zuffenhausen
Jasper Walter Bastian / manager magazin
Viele Jahre hieß es bei Porsche: größer, höher, weiter. Aus einer Sportwagenschmiede wurde ein mittleres Massenphänomen. Das kann an der Begehrlichkeit kratzen, mancher sieht darin einen Grund für Porsches Probleme. Seit dem 1. Januar soll sie Michael Leiters (55) lösen; und der neue Chef
steuert zurück in die Zukunft. „Kleiner, kompakter, stärker“ solle Porsche wieder werden, sagt der CEO im Interview mit meinem Kollegen Michael Freitag. Konkret bedeutet das:
Jedes fünfte Modell wird gestrichen – und mehr als jede dritte Stelle im Management (m+).
Riss die Deutsche Bahn mit ihrem Chaos Ex-Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (58; CDU) nieder, will sein Nachfolger Steffen Bilger (47; CDU) ein solches Schicksal vermeiden.
Erster Baustein dafür ist ein „Infraplan“, mit dem das Ministerium bei der Bahn die Richtung stärker vorgeben und die Umsetzung von beschlossenen Maßnahmen engmaschiger überprüfen will. War der Staatskonzern zuletzt selbst mit Signalanlagen überfordert, will der Minister offenbar signalisieren: Bilger zieht die Züge(l) an.
Nach nur einem Jahr verabschiedet sich Finanzvorständin Jutta Dönges (53) schon wieder vom Zulieferer Aumovio. Wie üblich ist von einer Trennung „im besten gegenseitigen Einvernehmen“ die Rede, CEO Philipp von Hirschheydt (52) dankte Dönges für die „intensive Zusammenarbeit“. Wie gut „einvernehmlich“ und „intensiv“ wohl zusammenpassen? Meine Kollegin Margret Hucko hatte schon vor Wochen berichtet,
dass von Hirschheydt und Dönges nicht immer auf einer Wellenlänge funkten (m+).
Unternehmen: Ferrari ++ Jaguar ++ Renault
Ein bisschen Smart, ein bisschen Toyota Prius: Der elektrische Ferrari Luce
Ferrari S.p.A.
Eigentlich müsste die Elektromobilität wie gemacht sein für Luxusautos und deren Kunden. Doch gegen den allgemeinen Trend zeigen sich die Super-BEVs bislang alles andere als BEVlügelt. Ferrari, Aston Martin oder Lamborghini
bedienen keine Mobilitätsbedürfnisse, sie beglücken Lustkäufer mit einem Faible für innovativen Schnickschnack. Trotzdem haben sich Autobauer mit ihren elektrischen Luxuslinern durch die Bank blutige Nasen abgeholt; für Ferrari etwa entpuppte sich der erste Stromer Luce mehr als Prügelknabe denn als Lichtgestalt. Meine Kollegen Henning Hinze und Margret Hucko analysieren, was den exquisiten Elektroenttäuschungen fehlt: Emotion, Preisstabilität und Sammlerwert (m+).
Vielleicht gelingt Jaguar ja der befreiende Stromschlag? Die darbende britische Marke hat jetzt zumindest einmal die Serienversion des Modells vorgestellt, das die Wende einläuten soll. Der Preis für den Type 01 fällt britisch-brachial aus: Jaguar ruft zum Neustart rund 165.000 Euro auf.
Während in Frankreich Schüler und Studenten auf die Straße gehen und manche schon eine Neuauflage der 68er-Revolte wittern, bemüht sich der frühere Staatsdiener François Provost (58) um positive Schlagzeilen. Provost, inzwischen Renault-Chef, will in den kommenden fünf Jahren 10 Milliarden Euro in der Heimat investieren
und vor allem in E-Autos und erschwingliche Modelle stecken. Voraussetzung sei, dass das soziale und politische Umfeld dies zulasse. Voyons voir, oder wie man in Bayern sagt: Schau ma moi.
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Mehr Mobilität: Firesales und First-Class-Freuden
Wer überlebt? Accell besitzt teils über 100 Jahre alte Fahrradmarken
Fotovorlage [M]: Adobe Stock, carqon, winora, ghost, babboe, accell group
Bei Accell
muss alles raus. In den Niederlanden hat der gestrandete Fahrradriese seinen Lagerbestand mit Zehntausenden Rädern an den Großhändler 12Go Biking verkauft. Das klingt stark nach Firesale. Auch bei den deutschen Accell-Töchtern dürfte Feuer unterm Dach sein. Findet sich nicht bald ein neuer Investor, droht auch dort der Ausverkauf. Die Beschäftigten in Schweinfurt und Waldsassen wünschen sich wohl nichts sehnlicher, als dem „Sumpf der niederländischen Mutter“ zu entkommen. Mein Kollege Lutz Reiche konnte den ersten Insolvenzbericht zu Accell einsehen.
Hier gibt’s die frischen Details des Fahrradfiaskos (m+).
Nach 88.600 Elektroautos in Deutschland zum Einstieg kommen wir jetzt zu 86.800 Mercedes-Modellen in China. Das war im dritten Quartal die gesamte Ausbeute der Schwaben auf dem größten Automarkt der Welt. Sollten Sie sich fragen, ob das viel oder wenig ist: Es ist fast ein Drittel weniger als im bereits schwachen Vorjahreszeitraum. Vertriebsvorstand Mathias Geisen
(48) versuchte das Reich der Mitte verbal aus dem Fokus zu rücken: „Außerhalb Chinas ist der Pkw-Absatz 2026 im dritten Quartal in Folge gegenüber dem Vorjahr gestiegen“. Unterm Strich bleibt trotzdem ein Minus von 8 Prozent.
Geisterfahrer der Woche
Obstler nach dem Abgang: Ex-Volkswagen-Chef Herbert Diess
Wolfgang Rattay / REUTERS
Was macht man nach dem Rauswurf aus dem Volkswagen-Konzern? Hoch im Kurs bei ehemaligen Ganz-Oberen scheint das Schnapsbrennen zu sein. Der von heute auf morgen verschwundene Ex-Seat-Cupra-Chef Wayne Griffiths (60) hat seinen eigenen „Gin Wayne“, der frühere Konzernchef Herbert Diess (67) schwört dagegen auf Kernobst statt Wacholder. Eine Kostprobe der „Rote Williams Birne by HERBERT DIESS“ gab es für Besucher des Marstall Festzelts auf der Wiesn. Preis für vier Zentiliter? Schlappe 17,50 Euro. Na dann, Prost!
Ich hoffe, Sie kommen auch ohne Schnaps gut durch die Woche.
Ihr Christoph Seyerlein
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