Höchste Zeit also, auch hier wieder durchzustarten. Und derweil die Temperaturen draußen endlich sinken, schlägt bei uns das Dramathermometer weiter voll aus. Mehr erfahren Sie in unseren Themen der Woche:
Wieso ein Phantompapier die Cariad-Spitze aufwühlt
Wie ZF-Chef Mathias Miedreich den Zulieferer retten will
Warum BMW noch später als gedacht zum Autohändler wird
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Thema der Woche: Wieso ein Phantompapier die Cariad-Spitze aufwühlt
Wissen von nichts: Audi-Boss Gernot Döllner, Volkswagen-CEO Oliver Blume
und Cariad-Chef Peter Bosch (v. l.)
Für Herbert Diess (67) läutete ein McKinsey-Gutachten zur desaströsen Lage seiner Softwareeinheit Cariad einst sein Ende als Volkswagen-Chef ein. Droht Oliver Blume (58) womöglich ein ähnliches Schicksal? Bei der Cariad sorgt aktuell erneut ein Beraterpapier für Unruhe. Die Sache ist so heikel, dass selbst ganz oben im Konzern einige gar nichts davon wissen wollen. Der Auftrag für die explosive Beurteilung von außen soll aus dem Audi-Umfeld gekommen sein, CEO Gernot Döllner
(57) gilt als Cariad-Kritiker. Besonders gefährlich für Volkswagens Softwaretochter: Nach dem Aus der Robo-Kooperation mit Bosch machen sich im Konzern einige beim autonomen Fahren für neue Partner stark – ohne Cariad-Beteiligung. Michael Freitag berichtet exklusiv: Der neue Softwarestreit könnte sich bei Volkswagen zur Machtfrage auswachsen. (m+)
Will ZF bis 2028 gesundschrumpfen: CEO Mathias Miedreich
Ines Janas / manager magazin
Mit Revolten gegen Vorstände kennt man sich auch bei ZF Friedrichshafen aus. Vor knapp einem Jahr erbte der gerade erst als Sanierer der Antriebseinheit geholte Mathias Miedreich
(51) eher unverhofft den Job als Vorstandschef beim kränkelnden Zulieferer. Seitdem hat der Manager überrascht: Bei ZF wird härter, aber auch transparenter entschieden, die Zahlen sahen zuletzt freundlicher aus. Jüngste Betriebsratsvolten zeigen aber auch, dass am Bodensee jederzeit wieder Sand ins Getriebe geraten kann. Entsprechend sensibel wird Miedreich vorgehen müssen, wenn er seinen bis dato unbekannten Masterplan für die ZF-Rettung nicht gefährden will:
Bei Deutschlands zweitgrößtem Autozulieferer läuft das Projekt „ZF North Star“ an. (m+)
Auf dem Abstellgleis stand bei ZF in den vergangenen Jahren die Sparte für Airbags und Gurte. „ZF Lifetec“ sollte Geld für die dringend notwendige Entschuldung in die Kassen spülen, doch es kam weder zum Verkauf noch zum Börsengang. Jetzt bleibt die „Division R“ doch bei ZF – und bekommt eine
neue Finanzchefin. Mit Claudia Holtkemper (57) wechselt eine langjährige Conti-Topmanagerin den Zulieferer.
Zu den größten ZF-Kunden zählt Geely. Dort schwang bis dato Li Shufu (63) als starker Mann das Zepter. Jetzt ist Li
als Verwaltungsratschef von Geely Automobile abgetreten, neuer Chairman ist An Conghui, Künstlername Andy An. Eine gewichtige Rolle wird Li Shufu bei Geely freilich trotzdem weiter spielen. Er bleibt beherrschender Anteilseigner und Oberhaupt der Holding, zu der neben Geely unter anderem die Mehrheitsbeteiligungen an Volvo und Smart gehören.
Für ausländische Autobauer lautet die Gretchenfrage mit Blick auf die USA: Wie geht es weiter mit Trumps Zolltiraden? Für Mercedes ist die Lage besonders heikel. Da mit dem eben erwähnten Li Shufu ein Chinese zu den Großaktionären der Schwaben gehört, droht dem Konzern in den Vereinigten Staaten zusätzlich Ungemach. Und jetzt macht auch noch Gretchen Whitmer (54) Stress. Die Gouverneurin von Michigan fordert in einem Brief Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (60) auf,
sich die Mercedes-Chefs wegen Ärger mit der mächtigen Gewerkschaft UAW vorzuknöpfen. Heilig’s Blechle.
Neue Klasse, neue Kasse: BMW will mit dem Agenturmodell Preisstabilität im Handel erreichen
Tomas Ovalle / AP
Was bei Mercedes „VDZ“ heißt, ist bei BMW „TNR“. Während die Schwaben im Verkauf bereits auf ihren „Vertrieb der Zukunft“ setzen, zieht sich bei BMW die Einführung von „The New Retail“ lange hin. Nachdem die Münchner bei Tochtermarke Mini schon 2024 auf das sogenannte Agenturmodell umgestellt haben, wurde der geplante Start bei BMW Anfang 2026 abgeblasen. Seitdem durften die deutschen Händler davon ausgehen, dass es 2027 so weit sein würde. Doch weit gefehlt:
Die BMW-Agentur kommt noch später als erwartet. (m+)
Bei Porsche ist man währenddessen wieder zurück aus der Zukunft. Mit dem Taycan wollte der Sportwagenhersteller seine Fans ins Elektrozeitalter nehmen. Technisch setzte das Auto zeitweise Maßstäbe, der große Durchbruch aber blieb aus. Und so wird dem Taycan insgesamt kein allzu langes Autoleben vergönnt sein: 2019 gestartet,
wird Porsche die Produktion bis 2030 einstellen.
Aus 40 mach 25: Daimler Truck hat seinen Anteil am Lkw-Hersteller Archion reduziert. Der Konzern streicht dafür
rund 600 Millionen Euro ein.
Für die 149 Passagiere entwickelte sich der Ryanair-Flug FR1879 von Thessaloniki nach Memmingen am 10. Juli zum Horrortrip. In rund 4900 Metern Höhe zerbarst das Fenster der Boeing 737-800. Der Mann auf Sitz 11F wurde teilweise durch die Öffnung gesogen und von Passagieren schwerverletzt zurück in die Kabine gezerrt.
Die US-Behörde NTSB hat nun einen Bericht zur Ursache veröffentlicht; Teile eines ausgefallenen Triebwerks haben den Rumpf des Flugzeugs durchschlagen und einen Druckabfall ausgelöst.
Die einen kämpfen mit Löchern in den Wänden, die anderen sagen Funklöchern über den Wolken den Kampf an; die Lufthansa will bis 2029 bei allen ihren Fluglinien 850 Jets mit schnellem Internetzugang ausstatten. Möglich macht’s der Musk:
Die Airline setzt auf Elons Satellitendienst Starlink.
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Zahl der Woche: 40.000.000
Erst verpönt, dann teuer versteigert: Der Ferrari Luce
Andrej Sokolow / dpa
Als Ferrari vor wenigen Monaten sein erstes Elektroauto Luce vorstellte, erschütterte ein bitterböser Shitstorm das italienische Autoheiligtum. Jetzt hat das Auktionshaus Sotheby’s den allerersten Luce überhaupt in Pebble Beach versteigert. Und siehe da:
Mit einem Höchstgebot von 40 Millionen Dollar knackte der elektrische Ferrari alle Rekorde. Ist der Bolide etwa doch ein Boss-Move aus Maranello? Vielleicht. Dass für „Nullserien“ absurde Preise gezahlt werden, ist allerdings auch nicht ungewöhnlich.
Deepdrive: Der kaum beachtete China-Tsunami
Viele in Europa zittern vor elektrischen Pkw aus China. Dabei schickt sich die Volksrepublik an, ein anderes Segment noch wesentlich eklatanter zu dominieren. Elektrische Trucks und Busse sind insgesamt noch selten, gewinnen aber an Bedeutung. Im vergangenen Jahr kamen laut der gemeinnützigen Forschungsorganisation
ICCT rund eine halbe Million entsprechender Fahrzeuge auf den Markt. Satte 90 Prozent davon sind chinesische Fabrikate. Während beim Pkw-Kauf gelegentlich so etwas wie Emotion mitschwingt, geht es im Nutzfahrzeuggeschäft in der Regel allein um die Kosten. Chinas Angreifern dürfte das voll in die Karten spielen.
Geisterfahrer der Woche
Fahrräder auf der Krawatte, dicke E-Schlitten im Förderprogramm: Bundesumweltminister Carsten Schneider
IMAGO
Wer aufmerksam mitgelesen hat, weiß: Einen fabrikneuen Porsche Taycan bekommt man nicht mehr allzu lange. Warum sich den Sportwagen nicht noch kurz vor knapp vom Staat subventionieren lassen? Zum 1. August hat die Bundesregierung eine Zwischenbilanz
zur neuen E-Auto-Förderung veröffentlicht. Staatsgeld gab es auch für 36 Porsche, darunter 3 Taycan. Klar, bei insgesamt knapp 27.000 geförderten Autos ist das nicht viel. Trotzdem droht Bundesumweltminister Carsten Schneider (50; SPD) ein Porsche-Problem: Das hehre Ziel, mit dem Bonus vor allem Einkommensschwächere unterstützen zu wollen, torpediert jeder subventionierte Luxusschlitten.
Ob mit Taycan oder ohne: Kommen Sie gut durch die Woche!
Ihr Christoph Seyerlein
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