Am Mittwoch soll also „Liberation Day“ gewesen sein. US-Präsident Donald Trump (78) will ein „goldenes Zeitalter“ für die Vereinigten Staaten einläuten. Für die beste Idee auf dem Weg dorthin hält er ein wildes Bündel von Zöllen. Viele halten das für einen Irrweg. In der Autoindustrie geht das große Zittern um. Gerät nach China mit den USA nun auch der zweitgrößte Weltmarkt ins Wanken? VDA-Präsidentin Hildegard Müller (57) zeigte sich im Interview jüngst jedenfalls alarmiert:
„America First bedeutet immer mehr America Alone.“
Nervös ob drohender Preiserhöhungen wurden vor Inkrafttreten der Zölle offenbar auch manche US-Autokäufer: Marken wie VW und BMW konnten ihre Verkaufszahlen in den USA im März
spürbar nach oben schrauben.
Unsere Themen der Woche:
Wie eine pünktlichere Deutsche Bahn möglich wäre.
Wie Klaus Rosenfeld die Geldströme der Schaefflers sichert.
Wie PricewaterhouseCoopers die Emissionen ohne Reiseverbote halbieren will.
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Thema der Woche: „Jedes vierte Stellwerk stammt noch aus der Kaiserzeit“
„Massiv unterfinanziert“: Siemens-Mobility-Chef Michael Peter wünscht sich mehr Geld für die Schiene
Siemens AG
Am Geld soll eine neue Bundesregierung nicht scheitern, per Sondervermögen stehen etliche Milliarden Euro zur Verfügung. Einige davon werden in die Deutsche Bahn fließen. Besonders profitiert davon womöglich Michael Peter (59). Schon jetzt eilt der Chef von Siemens Mobility
als Hersteller von Zügen, Stellwerk- oder Signaltechnik von Umsatzrekord zu Umsatzrekord. Einer seiner Hauptkunden, die Bahn, präsentiert sich dagegen in einem bemitleidenswerten Zustand. Deutschlands Schiene sei vielerorts „so modern wie ein Drehscheibentelefon“, sagt Peter, „jedes vierte Stellwerk stammt noch aus der Kaiserzeit“. Ist eine pünktliche Deutsche Bahn überhaupt noch möglich? Ja, meint der Topmanager. Im Interview mit meinem Kollegen Claas Tatje schildert Peter,
was aus seiner Sicht dafür passieren müsste (m+).
Köpfe: Daniela Geretshuber ++ Wayne Griffiths ++ Håkan Samuelsson
Druck ja, Verbote nein: Personal- und Nachhaltigkeitschefin Daniela Geretshuber macht sich für eine Mobilitätswende bei PwC Deutschland stark
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Auf eine pünktlichere Deutsche Bahn hofft Daniela Geretshuber. Die Personal- und Nachhaltigkeitschefin von PricewaterhouseCoopers (PwC) in Deutschland will, dass die Beschäftigten der Prüfungs- und Beratungsfirma „grüner“ reisen. Gleichzeitig will sie ihre Leute aber auch nicht vergraulen. Wie bekommt man beides unter einen Hut? Geretshuber und ihr Team haben ein Programm namens Mindful Travel aufgesetzt, jüngst haben Luisa Stöhr
und Kollegen des Future Mobility Labs der Universität St. Gallen die PwC-Maßnahmen im Rahmen einer groß angelegten Studie zu betrieblicher Mobilität untersucht. Mit uns haben Geretshuber und Stöhr darüber gesprochen,
wie PwC die Reiseemissionen ohne Verbote halbieren will.
Nach 37 Jahren war für Wayne Griffiths (58) am 31. März bei Volkswagen Schluss. Der Chef der Marken Seat und Cupra geht Knall auf Fall. Vorerst übernimmt Produktionschef Markus Haupt. Griffiths’ Abgang wirkt rätselhaft: Bei der Bilanzvorlage Mitte März hatte der Brite noch erzählt, er wolle sich bei den Spaniern zur Ruhe setzen. Am Dienstag ließ er dann via
LinkedIn wissen, er sei besser in Form denn je – und: #TheBestIsYetToCome.
Zurück aus dem Ruhestand ist Håkan Samuelsson (74). Der Vorgänger von Volvo-Chef Jim Rowan ist auch sein Nachfolger. Rowans Abschied kommt ähnlich plötzlich wie der von Griffiths bei Seat. Volvo hatte 2024 mehr Autos verkauft als je zuvor, fast jedes vierte war ein E-Auto. Für die nächsten beiden Jahre heißt es jetzt trotzdem mit Samuelsson: Zurück in die Zukunft.
Meister im Rollentausch: Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld
Florence Lo / REUTERS
Man könnte meinen, als Chef eines Multimilliarden-Autozulieferers sollte man gut ausgelastet sein. Klaus Rosenfeld (58) findet jedoch trotz seiner Frontmannrolle bei Schaeffler noch Zeit für andere Aufgaben. Rosenfeld ist in Personalunion noch Aufsichtsrat beim Wettbewerber Continental und enger Berater der Eigentümerfamilie um Georg F.W. Schaeffler (60). Die hält 46 Prozent an Conti – und kann sich auf ihren Mann für alle Fälle verlassen. Trotz vieler Krisen will der Continental-Aufsichtsrat die Dividende erhöhen.
Hauptprofiteure wären die Schaefflers, ihnen winkt eine satte Summe (m+). Rosige Aussichten dank Rosenfeld.
Rosarot sah die Autowelt bis dato auch für Xiaomi aus. Der chinesische Konzern, vor allem bekannt für Start-ups, schwang sich in Rekordzeit zu einem der gehyptesten Autoangreifer aus Fernost auf. Jetzt muss Xiaomi einen bösen Rückschlag verkraften:
Bei einem Crash mit einem der E-Autos starben drei Menschen, sie hatten dem Unfallprotokoll zufolge Xioamis Fahrerassistenten NOA (Navigation on Autopilot) aktiviert. Die Aktie des Unternehmens sackte unmittelbar nach Bekanntwerden ab.
Webasto fertigt zwar keine Batteriezellen, aber zumindest deren Hüllen. Doch vor der Krise schützt auch das nicht. Der Zulieferer, der noch bekannter ist für Autodächer und Standheizungen, baut bis Jahresende
650 Stellen in Deutschland ab.
Auch bei Ford in Köln bangen viele der rund 11.500 Beschäftigten um ihre Jobs. Seit Mittwoch geht nun nichts mehr: Die Bänder stehen still, drei Tage soll der Warnstreik andauern.
Bye-bye Bikemotoren: Brose verkauft sein Fahrradgeschäft
Sven Hoppe / dpa
Fokus aufs Kerngeschäft, die Erste: In unserer großen Geschichte zu Brose (m+) war es jüngst bereits zu lesen – der Autozulieferer stößt die Entwicklung von E-Bike-Motoren ab. Inzwischen ist der Deal
offiziell, der Käufer ist Yamaha.
Fokus aufs Kerngeschäft, die Zweite: Die Deutsche Bahn versucht sich nicht länger als Kioskbetreiber
. Die sogenannten Service-Stores an Bahnhöfen soll es zwar weiter geben, aber nicht mehr unter der DB-Flagge.
Deepdrive: Luxuslenker
manager magazin
Warum kauft man sich ein Auto, das mehr als 150.000 Euro kostet? McKinsey ist der Frage, wie Luxusautobesitzer ticken, in einer ausführlichen Analyse
zu diesem exquisiten Markt nachgegangen. Der alles überragende Grund für einen Kauf: die Freude am Fahren; 86 Prozent der befragten Luxuslenker gaben das an. Gewisse Skepsis schlägt in den entsprechenden Kreisen offenbar chinesischen Modellen und Elektroautos entgegen. 71 Prozent können sich eher nicht vorstellen, eine chinesische Marke in Betracht zu ziehen, mit einem E-Auto liebäugeln nur 19 Prozent.
Zahl der Woche: 458 Millionen
Wer ein nicht mehr fahrtüchtiges Auto besitzt, hat in der EU ein Recht auf eine kostenfreie Entsorgung. In der Pflicht ist der Hersteller, er muss das Auto zurücknehmen und recyceln. Um dem zu entgehen, hatten sich nach Ansicht der EU-Kommission 15 Autobauer und der Lobbyverband ACEA über 15 Jahre lang unrechtmäßig abgesprochen. Das „Kartell“ soll nun 458 Millionen Euro Strafe zahlen. Volkswagen bekommt mit 128 Millionen Euro die höchste Strafe aufgebrummt, auch BMW, Stellantis
oder Renault werden zur Kasse gebeten. Mercedes kommt als Kronzeuge dagegen straffrei davon.
Geisterfahrer der Woche
Von Trump begnadigt: Nikola-Gründer Trevor Milton
Brittainy Newman / FR171797 AP / AP / dpa
In der Autoszene dürfte Donald Trump gerade wegen seiner Zölle wenige Fans haben. Eine Lanze für ihn bricht dagegen Trevor Milton (42). Der Gründer des Skandal-Lkw-Start-ups Nikola wurde vom Präsidenten persönlich begnadigt
. Milton war 2022 wegen Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden, die Geschworenen hatten ihn für schuldig befunden, Investoren falsche Angaben über den Stand der Nikola-Technologie gemacht zu haben. Für Trump kein Problem. Der Fall hat gleich mehrere Geschmäckle: Im vergangenen Jahr spendete Milton fast 2 Millionen Dollar für politische Zwecke, einen großen Teil davon an die republikanische Partei. Miltons Anwalt ist laut „Wall Street Journal“ der Bruder von US-Justizministerin Pam Bondi (59). Wohl dem, der solche Freunde hat.
Kommen Sie gut durch die Woche.
Ihr Christoph Seyerlein
Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Sie erreichen meine Kolleginnen und Kollegen im Team Mobility und mich unter manage.mobility@manager-magazin.de.
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