Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Waren Sie schon in den Ferien? Ich komme gerade aus Frankreich zurück – und war fast ein wenig stolz, weil ich am Strand dort Komplimente für mein Französisch bekommen habe. Ich bin mir sicher: Das lag auch daran, dass ich seit meinem letzten Besuch eine dieser Sprachlern-Apps heruntergeladen hatte.
Die App ist wirklich toll. Schon wenige Minuten am Tag helfen, damit eine fremde Sprache nicht in Vergessenheit gerät. Bei mir fiel das jedoch auf gefährlich fruchtbaren Boden: Denn plötzlich hatte ich etwas an der Hand, mit dem ich jede noch so kleine Pause „effizient nutzen“ konnte. Ob beim Warten am S-Bahnsteig, in der Schlange im Supermarkt oder im Wartezimmer beim Arzt: Alles wunderbare Gelegenheiten, um noch besser zu werden – und wieder mal nicht zur Ruhe zu kommen.
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Auch unsere Arbeitswelt ist geprägt von ständiger Verdichtung: mehr Aufgaben in weniger Zeit, permanente Erreichbarkeit, ständige Selbstoptimierung – was früher als Muße galt, steht heute als „untätig sein“ unter Verdacht. Viele Menschen spüren die Folgen: Erschöpfung, das Gefühl, nie genug zu leisten, und eine zunehmende Unzufriedenheit mit scheinbar ungenutzter Zeit. Was ursprünglich mehr Freiheit bieten sollte – etwa mobile Arbeit oder die neuen digitalen Tools –, ist in neuen Leistungsdruck umgeschlagen.
Auch unser Autor Adam Waytz, Professor an der Kellogg School of Management der Northwestern University, attestiert in seinem Artikel „Busy is the new stupid (HBm+)“ den meisten von uns übertriebene Geschäftigkeit. Und er ist sich sicher: Sie schadet nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch dem Geschäft. Zum Glück hat er ein paar konkrete Tipps parat, die helfen, diese toxische Spirale zu durchbrechen: Beispielsweise Fokuszeiten einzurichten und keine E-Mails mehr nach Feierabend zu erlauben.
Die wahre Kunst, die Balance zu finden, ist vielleicht: Lern-Apps und Produktivitätstools als Werkzeuge zu genießen – aber sich auch Zeit für echte Pausen zu nehmen, in denen nichts passieren muss. Denn: Auch Unterbrechungen gehören zum Leben. Ich zumindest habe mir vorgenommen, nicht mehr jede Minute meines Tages zu nutzen.
Sind Sie auch mit guten Vorsätzen aus dem Urlaub zurückgekommen? Falls ja, schreiben Sie mir gern!
Herzliche Grüße und kommen Sie gut wieder an im Alltag,
Gesine Braun Stellv.Chefredakteurin Harvard Business manager
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