Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Neulich war ich für zwei Jobtermine in Helsinki. Am ersten Abend war die Weltlage wieder einmal so aufgeladen, dass ich das Handy am liebsten als Pulsmesser benutzt hätte. In der Nacht wachte ich auf (eine schlechte Angewohnheit in fremden Betten) und war kurz versucht nachzusehen, wie sich die Situation entwickelte.
Ich habe es nicht getan. Vielleicht, weil ich fürchtete, dass ich nach neuen, dramatischen Schlagzeilen nicht mehr einschlafen würde. Vor allem aber, weil mir in der Stille meines Hotelzimmers klar wurde: Was draußen passiert, bleibt nicht draußen. Wir nehmen es mit in unseren Schlaf – und am nächsten Tag mit in unsere Entscheidungen, in unsere Tonlage, in unsere Teams.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Das ist kein Plädoyer fürs Wegsehen – im Gegenteil. Es ist eine Erinnerung daran, dass Nachrichten nicht nur Informationen sind. Sie haben Wirkung. Und Führung bedeutet, diese Wirkung ernst zu nehmen.
Beim Frühstück am nächsten Morgen musste ich an einen Text von Eric Solomon und Anup Srivastava denken – der eine ist Berater, der andere Professor an der Haskayne School of Business der University of Calgary. In „Die Welt dreht durch? Diese Maßnahmen helfen gegen Angststarre“ beschreiben sie Führung als etwas, das früher eher einem Marathon bei klarer Sicht ähnelte. Heute dagegen gleiche sie für viele Chefinnen und Chefs einem Sprint im Nebel.
Dieser Nebel hat viele Ursachen. Manchmal sind es politische Wendungen, manchmal neue Machtlinien in der Welt. Und dann gibt es Technologien, die ganze Branchen umpflügen. Das Problem mit der schlechten Sicht: Sie versetzt uns fast automatisch in Alarmbereitschaft, sodass wir nur noch reagieren, anstatt wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen.
Solomon und Srivastava sagen aber auch etwas sehr Tröstliches: Man muss als Chefin oder Chef nicht immer so tun, als wäre alles sicher, um handlungsfähig zu bleiben. Im Gegenteil: Handlungsfähigkeit entsteht dort, wo Unsicherheit nicht in Aktionismus mündet – und wo man sich einfache Fragen erlaubt. Etwa: Was ist ein echtes Signal? Und was nur großer Lärm?
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Mir hat dieser Gedanke geholfen, mich häufiger auf das zu konzentrieren, was ich wirklich beeinflussen kann. In jener Nacht in Helsinki habe ich nicht aufs Handy geschaut, um die Nachrichten zu verfolgen. Vielleicht ist das banal, vielleicht aber auch ein guter Anfang.
Wie sorgen Sie dafür, dass Ihnen auch in schwierigen Zeiten nicht die Puste ausgeht?
Schreiben Sie mir gern.
Herzliche Grüße und einen schönen Dienstag wünscht
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