Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Vergangene Woche durfte ich auf einer spannenden Veranstaltung in Köln Caroline von Kretschmann
interviewen, eine sehr besondere Unternehmerin, die in vierter Generation den Europäischen Hof in Heidelberg leitet. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich haben Hotels immer etwas Magisches, vor allem jene, die mehr bieten wollen als eine saubere Übernachtungsmöglichkeit.
Wer das Privileg hatte, schon mal in einem dieser Häuser zu nächtigen, weiß vielleicht, was ich meine: Man lässt sich abends ins Bett fallen und hat das Gefühl, es wären Heinzelmännchen am Werk gewesen. Irgendwann hat jemand das Bett aufgeschlagen, die Handtücher schön drapiert, die Gardinen zugezogen und die Lampe im Flur gerade so gedimmt, dass man sich sofort angekommen fühlt.
Doch all das gelingt nur, wenn ein ganzes Team mitdenkt, zusammenhält und sich mit dem identifiziert, was es tut. Handgriffe kann man anordnen, die Hingabe, mit der sie ausgeübt werden, nicht. Als ich meine Gesprächspartnerin fragte, was das Geheimnis ihres schon etliche Male ausgezeichneten Hauses sei, sagte sie, man müsse das, was man tue, lieben.
Genau darum ging es auch in einem Interview, das meine Kollegin Christiane Sommer mit Bestsellerautor Marcus Buckingham geführt hat, meiner heutigen Leseempfehlung. Auch Buckingham ist überzeugt:
„Ohne Liebe ist Exzellenz nicht erreichbar“ (HBm+). Wer etwas liebe, so der Experte, entwickele mehr Antrieb, es immer besser zu lernen. Und er zeige mehr Kreativität und könne souveräner mit Stress umgehen. Natürlich könne sich auch verbessern, wer einfach nur seine Arbeit mache – aber es koste eben erheblich mehr Zeit, Energie und Anstrengung.
Wenn Sie sich jetzt fragen, ob es tatsächlich Menschen oder Jobs gibt, die immerzu alles lieben oder liebenswert sind: Natürlich ist das eine Illusion. Auch ich bin sehr gern Journalistin und erfülle trotzdem nicht jede Aufgabe mit der gleichen Begeisterung. Buckingham sieht das gelassen: Schon wer 20 Prozent seines Jobs liebe, hat damit gute Voraussetzungen, Herausragendes zu leisten. Gut zu wissen: Wer 40 Prozent oder mehr liebt, wird deshalb nicht automatisch mindestens doppelt so gut.
Die Liebe zur Sache zeichnet auch die Heinzelmännchen im Hotel meiner Gesprächspartnerin aus: Exzellenz entsteht dort, wo jemand die Extra-Meile nicht für seine Chefin oder seinen Chef geht, sondern aus Freude an dem, was er oder sie tut. Wie Freude an der Arbeit aussieht, zeigt die Chefin übrigens auch selbst den Social-Videos, in denen sie den Alltag eines Grandhotels der Öffentlichkeit vorstellt.
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Wie geht es Ihnen mit Ihrer Arbeit? Marcus Buckingham schlägt zur Selbstreflexion eine einfache Übung vor. Notieren Sie eine Woche lang, was Sie an Ihrem Job geliebt haben und was Sie fürchterlich fanden – und sorgen Sie dafür, dass Sie in der nächsten Woche mehr von dem tun, was Ihnen Spaß gemacht hat. Und wenn Sie mögen, verraten Sie es mir gern.
Herzliche Grüße Gesine Braun
PS: Zurückhaltende Menschen werden in Führungsrollen häufig unterschätzt, dabei bringen sie viele Stärken mit, die gute Chefinnen und Chefs ausmachen. Am 17. November um 13 Uhr spricht der Wirtschaftspsychologe Martin Schweinsberg in einem Live-Talk über Mythen rund um introvertierte Führungskräfte und beantwortet Ihre Fragen. Hier können Sie sich kostenlos anmelden.
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