Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Antonia Götsch
Beraterin der Chefredaktion
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Mein neues berufliches Leben beginnt mit japanischem Gin Tonic und Pfefferminzlikör. Es ist der dritte Versuch, es meiner Kollegin, Stellvertreterin und Freundin Gesine Braun zu sagen. Zweimal habe ich zurückgerudert; dieses Mal spreche ich die Worte aus – noch bevor die Getränke serviert sind.
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Ich möchte etwas Neues beginnen – obwohl ich unsere Zusammenarbeit sehr schätze und mich von unserem Team getragen fühle. Ich hatte sechs großartige Jahre beim Harvard Business manager. Und doch gibt es diese Sehnsucht, die ich nicht mehr überhören konnte und wollte. Nach meinem Sabbatical war mir klar, dass ich nicht nur über Führung schreiben möchte. Ich will mein eigenes Unternehmen gründen und gestalten.
Gesine reagiert großartig. Sie sieht wie immer zuerst den Menschen, dann mögliche Probleme. Wir stoßen an auf alles, was war und sein wird – und steigen später noch um auf Pfefferminzlikör in einer Bar.
In der Woche nach unserem Gespräch breche ich immer wieder in Tränen aus: beim Yoga, bei einem schönen Lied. Wie viel Spannung ich all die Zeit gehalten habe.
20 Jahre in Redaktionen und mehr als 15 Jahre Teamführung haben meine Identität stärker geprägt, als ich mir eingestanden hatte. Es war ein Prozess, mich mit meinen Glaubenssätzen und Unsicherheiten auseinanderzusetzen. In Gedanken bin ich auf einen Zehnmeterturm gestiegen – und, offen gestanden, auch ein paarmal wieder herunter. Ich musste mich fragen:
Wer bin ich, wenn mich kein Team mehr braucht?
Wie stelle ich mich vor, wenn ich nicht mehr Journalistin bin?
Kann ich all das, was ich mir vorstelle?
Ich musste in dieser Phase oft an die Bücher und
Artikel von Herminia Ibarra (HBm+) denken. Die Wissenschaftlerin zeigt: Große Veränderungen brauchen Zeit. Man kann sie oft besser fühlen als erklären. Anthropologen sprechen von Liminalität (HBm+)
: einem Dazwischen, in dem man zwischen einer abgeschlossenen Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft schwebt. Wir wissen, wer wir waren – aber noch nicht, wer wir sein werden.
Wir wissen, wer wir waren, aber noch nicht, wer wir sein werden.
Auch die Philosophin Natalie Knapp beschäftigt sich in ihrem Buch „Der unendliche Augenblick“ mit Phasen des Übergangs. „Zu keinem anderen Zeitpunkt ist es leichter zu erkennen, was wirklich zählt“, schreibt sie. Übergänge gehörten deshalb „zu den kostbarsten Ereignisräumen des Lebens, weil sie ein schöpferisches Potenzial bergen, das sich nur in diesen begrenzten Zwischenräumen aktivieren lässt“.
Mir hat dieses Wissen Zuversicht und Geduld geschenkt. Vielleicht sind Sie selbst gerade auf dem Weg. Wenn Sie bereit sind, eine Weile verloren zu gehen, werden Sie sich am Ende neu finden.
Ich freue mich sehr, den Stab an Gesine Braun weiterzureichen, die als neue Chefredakteurin des Harvard Business managers auch diesen Newsletter übernimmt. Ich kann mir keine bessere Nachfolgerin vorstellen.
Ich danke Ihnen für Ihre Treue und für Ihre herzlichen Mails in den vergangenen Jahren – und hoffe, wir lesen, hören oder treffen uns irgendwo wieder. Ich bleibe dem Thema gute Führung treu – nur in einer anderen Rolle.
Machen Sie es gut!
Audiotipp:Im Podcast „Wegen guter Führung“ geht es diese Woche – passend – um eine große Lebensfrage: „Wozu das alles?“ Der Philosoph Christian Uhle erklärt, warum Sinn in Unternehmen so oft missverstanden wird – und was Führungskräfte tun können, damit Menschen sich als wirksam erleben.
PS:
Noch ein Tipp für Abonnentinnen und Abonnenten: Am 4. März haben Sie die Möglichkeit, sich zum Thema Fake News schlau zu machen. Diese können Ihrem Unternehmen nämlich empfindlich schaden – aber zum Glück können Sie auch etwas dagegen unternehmen. Was, das erfahren Sie in unserem Community-Talk HBm live mit Michael Etter, Associate Professor für Entrepreneurship und Digitalisierung an der Londoner King’s Business School. Etter wird darüber sprechen, wie Sie Fake News möglichst früh entdecken, warum Richtigstellungen oft nicht genügen und wie Verbündete Ihnen helfen können, Ihre Reputation zu retten. Hier geht es zur
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