Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Antonia Götsch
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Viele Menschen halten mich für sehr kommunikativ. Eine, die gern unter Menschen ist, Gespräche sucht und Netzwerke pflegt. Ich habe das lange selbst geglaubt. Ich höre gern zu. Ich bin präsent. Ich liebe es, gemeinsam zu denken. Und dennoch haben mich viele Gespräche müde gemacht.
Bei meinen ersten Netzwerkevents hätte ich mich am liebsten für ein Nickerchen in die Ecke gelegt, nachdem ein Gast nach dem anderen ungefragt seine Visitenkarte und Erfolgsstory bei mir abgeladen hatte. Ich habe schon Partys verlassen, weil ich die Gespräche in der Küche so langweilig fand. Und bin bei anderen Festen bis zum Morgengrauen geblieben wegen eines guten Gesprächs.
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Bei einem Podcast-Interview mit Markus Ebner
ist mir neulich klar geworden, warum das so ist. Ebner ist Wissenschaftler und Experte für Positive Psychologie. Seine These: Wenn wir über Stärken sprechen, sind wir häufig zu unpräzise. Zum einen verwechseln wir erlernte Kompetenzen mit echten Stärken. „Nicht alles, was wir können, ist auch eine Stärke“, sagt Ebner. Der große Unterschied: Wenn wir eine Stärke einsetzen, vergessen wir häufig die Zeit. Wir arbeiten im Flow und gewinnen Energie. Eine Kompetenz dagegen beschreibt nur, was jemand kann – sie lädt nicht zwangsläufig auf. Manchmal kostet sie uns sogar Kraft.
Zum anderen blicken wir oft nur auf das Ergebnis (Antonia spricht mit vielen Menschen, sie ist kontaktfreudig) und nicht darauf, wie es zustande kommt. Es lohnt sich, tiefer zu bohren: Was ist es denn genau, was mich in einer bestimmten Situation in einen Flow-Zustand bringt?
Ich liebe Gespräche, in denen etwas entsteht. Eine neue Einsicht. Ein Satz, nach dem man anders auf ein Thema schaut als vorher. Ich bin nicht auf der Suche nach Harmonie und neuen Kontakten, sondern nach Erkenntnis. Small Talk beherrsche ich trotzdem. Aus Professionalität und Höflichkeit. Aber Small Talk kostet mich Energie, statt mich aufzuladen wie ein intensives Gespräch.
Wenn Sie nun überlegen, was Ihre Stärke sein könnte und wo Sie Energie verlieren, empfehle ich Ihnen den Vierfach-Stärkencheck von Markus Ebner.
Gehen Sie die Fragen 1 bis 4 der Reihe nach durch. Lautet Ihre Antwort Ja, gehen Sie weiter zur nächsten Frage. Bei einem Nein hören Sie auf.
Drängt es aus mir heraus?
Würde es mir fehlen, wenn ich die Aufgabe nicht mehr tun könnte?
Kostet es Energie, wenn ich es zurückhalten muss, weil es in einer Situation unpassend ist?
Mache ich manchmal zu viel davon?
Ergebnis: Viermal „Ja“ = echte Stärke. Frühes „Nein“ = Kompetenz (auch gut – aber gibt Ihnen nicht unbedingt Energie).
Ich bin gespannt: Welche Stärke schreiben Ihnen andere Menschen zu, weil Sie etwas gut können – obwohl es Ihnen keine Energie gibt?
Lesetipp: Hier finden Sie das ausführliche Interview mit Markus Ebner und den Link zum Podcast. Zudem empfehle ich Ihnen heute den Artikel
„Wer hat eigentlich den Like-Button erfunden?“ (HBm+). Er zeigt, wie bahnbrechende Neuerungen oft aus Chaos entstehen – und was das für erfolgreiches Innovationsmanagement bedeutet.
Herzliche Grüße
Antonia Götsch Chefredakteurin Harvard Business manager
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