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Dienstag, 20. Oktober 2026

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Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
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Gesine Braun
Liebe Leserin, lieber Leser.

Meine Entscheidung für eine Journalistenschule fiel wegen eines Romans über das Leben einer Journalistin. Der Job klang spannend – mehr brauchte es mit 17 nicht. Wie lange ich ihn ausüben würde, welche Veränderungen auf mich zukommen und ob der Weg Jahrzehnte später noch zu mir passen würde, fragte ich mich damals nicht.

Heute ist diese Frage dringlicher denn je. Denn viele von uns werden länger arbeiten als frühere Generationen, während sich die Arbeitswelt so schnell verändert, dass verlässliche Langzeitpläne kaum möglich sind. Profile, die heute gefragt sind, reichen morgen womöglich nicht mehr aus.

Auch deshalb hat mich das Gespräch, das meine Kollegin Christiane Sommer und ich in London mit Lynda Gratton geführt haben, nachhaltig beeindruckt. Gratton ist Professorin an der London Business School und erforscht seit Jahrzehnten, unter welchen Bedingungen Menschen leistungsfähig sind. Geld und Beförderungen sind dabei nur zwei von vielen Faktoren.

In ihrer Titelgeschichte „Longevity im Job – wie kann das gehen?“ (HBm+) schlägt Gratton einen neuen Blick auf den eigenen Lebensentwurf vor: Statt das Leben in Phasen zu unterteilen, in denen jeweils ein Faktor den Takt vorgibt, sollte man es als mäandernden Fluss begreifen – oder als Gewebe aus verschiedenen Lebensfäden.

Gratton unterscheidet dabei acht Fäden. Vier machen uns leistungsfähig: Mastery, die Freude, etwas wirklich gut zu können. Knowing, das Verständnis für sich selbst und die Welt. Cooperation, die Kraft der Zusammenarbeit. Und Amplification, die Fähigkeit, die eigenen Stärken durch geschickten Einsatz von Technologie zu schärfen. Vier geben dem Leben Halt: Friendship, also tragende Freundschaften. Intimacy, Nähe und Vertrauen. Calm schenkt uns Gelassenheit. Und Adventure die Lust auf Neues.

Keiner dieser Fäden, so Gratton, müsse ständig gleich stark sein. Mal konzentrieren wir uns auf unsere Expertise, mal eher auf die Beziehungen, die uns tragen, oder einen Neuanfang. Entscheidend sei nicht, alles gleichzeitig perfekt auszubalancieren, sondern wahrzunehmen, welcher Faden gerade zu kurz kommt.

Besonders häufig, so Gratton, franse der Faden der Gelassenheit aus. Die meisten von uns wechseln von Termin zu Termin, beantworten Nachrichten höchstens noch in den wenigen Minuten zwischen zwei Gesprächen und fallen abends regelmäßig mit dem Gefühl ins Bett, es keinem wirklich recht machen zu können. So entsteht leicht das Gefühl, nur noch zu reagieren. Wir sind beschäftigt – aber nicht unbedingt mit den Dingen, die uns wichtig sind.

Dabei ist Gelassenheit kein Luxus und auch kein Zeichen mangelnden Ehrgeizes. Sie schafft den Abstand, den wir für wichtige Entscheidungen brauchen. Was möchte ich vertiefen? Welche Aufgabe passt noch zu mir? Und welche Arbeit würde ich auch dann machen wollen, wenn sie nicht nur der nächste logische Schritt wäre?

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Gratton empfiehlt, sich regelmäßig folgende Frage zu stellen: Kann ich mir vorstellen, diesen Job noch 30 Jahre lang zu machen? Die Antwort muss nicht sofort „Nein“ lauten. Vielleicht lautet sie: „Ja, aber nicht unter diesen Bedingungen.“ Oder: „Ja – wenn ich wieder mehr Zeit für das habe, was mir an der Arbeit Freude macht.“ Solche Fragen liefern keinen fertigen Karriereplan, aber sie sorgen dafür, dass man den eigenen Weg nicht nur aus Gewohnheit weitergeht.

Wenn ich an meine Entscheidung als Teenagerin zurückdenke, sehe ich vor allem meine geradezu kopflose Unbekümmertheit. Die Neugier von damals möchte ich mir dennoch bewahren. Dazu kommt inzwischen jedoch ein zweiter Wunsch: häufiger mal innezuhalten, um mich neu zu justieren. Vielleicht ist das sogar die wichtigste Erkenntnis für eine lange berufliche Zukunft: Wir müssen nicht alles wissen, bevor wir den nächsten Schritt gehen. Wir sollten uns aber immer wieder Zeit nehmen, genau hinzusehen.

Jetzt bin ich, wie immer, neugierig: Welcher Faden in Ihrem Berufsleben braucht gerade mehr Aufmerksamkeit als alle anderen? Schreiben Sie es mir gern.

Viel Spaß beim Lesen und eine gute weitere Woche wünscht
mit herzlichen Grüßen

Gesine Braun

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Chefredakteurin manager magazin: Isabell Hülsen (V.i.S.d. § 18 Abs. 2 MStV)
Chefredakteurin Harvard Business manager: Gesine Braun (V.i.S.d. § 18 Abs. 2 MStV)
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