Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Im vergangenen Herbst war ich zu einer sehr besonderen Veranstaltung eingeladen. Eine Gruppe Fremder kam für einen Abend zusammen, um gemeinsam Pasta zu essen. Die einzige Regel des Abends: Jede und jeder sollte kurz aufstehen und drei Minuten lang einen Toast auf einen Menschen ausbringen, der ihn nachhaltig beeindruckt hat.
Ich könnte über diesen Abend einen ganzen Newsletter schreiben. Die Reden waren erstaunlich persönlich, berührend und manchmal sehr, sehr mutig. Es ging um Großzügigkeit und Geduld, Mut und Menschlichkeit. Liebe Alexandra, lieber Jens: Solltet ihr das hier lesen, ihr habt an diesem Abend Magie geschaffen.
Heute möchte ich meinen Toast aber an all jene unter Ihnen richten, die in ihren Unternehmen oder Teams schwere Zeiten durchmachen. An die, die Entscheidungen treffen müssen, die niemand gern trifft, die Budgets kürzen, Teams neu ordnen und Gespräche führen müssen, die sie lieber vermeiden würden. Und die dennoch morgens aufstehen und Zuversicht auszustrahlen, obwohl sie häufig selbst nicht wissen, wie es weitergeht.
Ein Hoch auf all jene Chefinnen und Chefs, die gerade die dunkle Seite der Führungsverantwortung kennenlernen. Sie stehen zwischen Vorgaben aus der Geschäftsführung und Fragen aus dem Team, und kaum jemand fragt, wie es ihnen dabei geht.
Uwe Klein kennt diese Lage aus vielen Gesprächen. Er ist Studiendekan für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden und forscht zu den psychologischen Folgen von Personalabbau. Im Interview
„Wie Sie Ihr Team durch Entlassungswellen führen“ (HBm+) erklärt er, worauf es in dieser Phase ankommt.
Was mich an dem Interview, das mein Kollege David Baldysiak geführt hat, besonders beschäftigt, ist die Ehrlichkeit, die Klein einfordert. Er sagt es kurz und klar: „Nie lügen!“ Wer nicht alles weiß, sollte das auch so sagen. Schuldzuweisungen untergraben Vertrauen, und eine beschönigende Ankündigung von Stellenabbau kann viel davon zerstören.
Gleichzeitig gehört zur Wahrheit, dass Trauer und Wut in solchen Phasen auch ihren Platz brauchen. Führungskräfte müssen nicht jedes Gefühl teilen, aber sie sollten Raum geben, zuhören und deutlich machen, was als Nächstes passiert.
Auffällig fand ich auch, mit wie viel Empathie Klein auf die Menschen in ihrer Rolle als Führungskraft blickt. Viele seien hoch motiviert und stellten ihre eigenen Grenzen hintenan. Wer schwierige Situationen durchstehen muss, sollte sich auch selbst Unterstützung holen, etwa durch ein Coaching oder vertrauliche Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Ich finde: Wer sich das traut, verdient Anerkennung.
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Am Ende ist es wohl genau diese Mischung, die Teams durch solche Phasen trägt: klare Worte, echte Zuwendung und die Bereitschaft, die eigene Verletzlichkeit nicht zu verstecken. Ich wünsche allen, die schwierige Zeiten durchleben, Klarheit und Menschen, mit denen sie offen reden können.
Und an Sie, die Sie diesen Newsletter gerade lesen: Wie geht es Ihnen und Ihrem Team in diesen Wochen?
Schreiben Sie mir gern.
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