Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Antonia Götsch
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen fahre ich gern Bahn, trotz Verspätungen, geschlossener Bordrestaurants und störanfälliger Klimatechnik. Ich setze mich an einen Tisch, packe meinen Thermobecher Kaffee aus und klappe meinen Rechner auf. Fokuszeit! Die genieße ich selbst runtergekühlt in der Daunenjacke.
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Wenn ich reise, stelle ich mein Telefon auf lautlos und gehe nur in Notfällen ran. Ich nehme auch nicht an Meetings teil. Zum einen finde ich es nach wie vor wahnsinnig unhöflich und indiskret, den öffentlichen Raum zu beschallen. Zum anderen wäre dann ja die schöne Fokuszeit zerbröselt.
In einem Beitrag zum Thema
gehirngerechtes Arbeiten erklärte die Neurowissenschaftlerin Friederike Fabritius meiner Kollegin neulich, dass Multitasker 50 Prozent mehr Fehler machen und durch Unterbrechungen 50 Prozent länger brauchen, weil der präfrontale Cortex überlastet wird – genau jenes Hirnareal, das wir für Strategie und Problemlösung benötigen. Wer sich bewusst zurückzieht – alle Chats, Mails und Anrufe stummschaltet –, erledigt weniger gleichzeitig und schafft dabei deutlich mehr.
Das Gehirn arbeitet am besten in 90-Minuten-Fenstern – ein idealer Zeitraum für Deep Work. Fabritius empfiehlt Teams gemeinsame, geblockte Slots (beispielsweise dreimal pro Woche von 9 bis 10.30 Uhr) ohne Meetings. Auch Regeln können helfen: E-Mail-Programme schließen, nicht erreichbar sein, Smartphones aus dem Raum. Studien zeigen: Schon die bloße Präsenz eines Handys senkt die Leistung, auch wenn es stummgeschaltet in der Tasche liegt.
Wenn Sie jetzt überlegen, wie Sie diese Fokuszeitfenser auch noch in Ihren Alltag quetschen sollen: Die Wissenschaft legt nahe, Termine radikal auszumisten. Wir alle sitzen zu viel in Meetings, das schadet Menschen und Unternehmen. Ab zehn Stunden Meetings sinkt die Produktivität eines Mitarbeiters deutlich ab, wie ich neulich in einem Vortrag von Managementforscherin Isabell Welpe lernte. Ab zehn Stunden pro Woche!
Welpes Vorschlag: Meetings nur noch in der Plank abhalten (einem Liegestütz auf den Unterarmen), das verkürze die Dauer radikal. Das wäre doch mal eine echte Alternative zum Bahnfahren. Mein einziges Problem: Einige Kolleginnen sind ziemlich gut trainiert.
Community-Event: Sie wollen Deep Work bei sich im Team umsetzen? Im digitalen Event „HBm live – Der Community-Talk des Harvard Business Managers“ beantwortet Friederike Fabritius Ihre Fragen zum Thema. Zum Beispiel, wie Sie sich selbst einen Rahmen für konzentriertes Arbeiten schaffen und welche Gewohnheiten Ihren Arbeitsalltag wirklich erleichtern. Für Abonnentinnen und Abonnenten ist das Event inklusive. Hier geht es
zur Anmeldung.
Tipp: Das Interview mit Friederike Fabritius war die Auftaktfolge unseres neuen digitalen Angebots „Leadership Weekly“
. Jeden Sonntag erscheint eine neue Ausgabe, die sich mit der Metafrage befasst, wie Führungskräfte ab sofort den Unterschied machen können – für sich und für andere. Schauen Sie doch mal rein und abonnieren Sie den dazugehörigen Newsletter, um keine Ausgabe mehr zu verpassen.
Herzliche Grüße
Antonia Götsch Chefredakteurin Harvard Business manager
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