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Dienstag, 28. Juli 2026

Lead Forward

Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
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Gesine Braun
Liebe Leserin, lieber Leser.

Lassen Sie uns heute mal mit einem kurzen Experiment starten. Schließen Sie bitte für eine Sekunde Ihre Augen. Und jetzt stellen Sie sich einen introvertierten Menschen vor. Wie würden Sie ihn beschreiben? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie unter anderem das Wort „still“ verwenden würden. Liege ich richtig?

Das Problem ist nur: Damit liegen Sie zwar nicht ganz falsch, aber auch lange nicht richtig. Denn Zurückhaltung kann in der Tat ein Merkmal introvertierter Menschen sein – aber es ist eben nicht das ganze Bild. Introvertierte Menschen sind nicht zwangsläufig schweigsamer, sie holen ihre Energie nur eher aus Ruhe, Fokus und Tiefe anstatt aus Dauer-Interaktion mit anderen Menschen. Und oft sprechen sie auch nicht weniger, sondern nur überlegter.

Genau darüber hat sich mein Kollege Christoph Koch in dem Interview „Introvertiert und trotzdem Chef? Warum die Stillen oft die besseren Führungskräfte sind“ (HBm+) mit dem Wirtschaftspsychologen Martin Schweinsberg unterhalten – ein Artikel, den ich Ihnen heute gern ans Herz legen möchte.

Schweinsberg ist Professor an der European School of Management and Technolgy (ESMT) in Berlin. Er sagt: Unser Verständnis von Introversion führt dazu, dass wir für Führungsjobs häufig die falschen Menschen auswählen. Der Denkfehler passiere meist schon im Auswahlprozess, wo „leise“ oft mit „unsicher“ verwechselt werde und „nachdenklich“ mit „schwach“. Dabei seien Aufmerksamkeit, Bedacht und die Fähigkeit, andere sprechen zu lassen, in Wirklichkeit echte Führungsqualitäten – nur eben ohne viel Glamour.

Als Beispiel nennt Schweinsberg Bruce Springsteen. Der Sänger stehe seit Jahrzehnten auf der Bühne – trotzdem rast ihm nach eigenen Angaben vor jedem Konzert das Herz. Schweinsberg sagt: Schwitzige Hände, klopfendes Herz, weiche Knie seien kein Makel, sondern ein normales Stresssignal, das auch die Besten haben könnten – wie auch Superstar Springsteen beweise.

Was das mit Führung zu tun hat? Nun: Ich finde, es nimmt Druck raus. Sie müssen als Chefin oder Chef nicht jeden Tag den Alleinunterhalter geben. Sie können auch leise führen – mit Ruhe, Klarheit und guter Beobachtung. Wer innere Signale bei sich und anderen nicht vorschnell als Schwäche deutet, gewinnt an Spielraum. Und muss sich nicht in eine Rolle pressen, die nicht passt.

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Meine Frage an Sie diese Woche: Welche Person in Ihrem Umfeld wird unterschätzt, weil sie nicht ständig sendet? Schreiben Sie mir gern.

Herzliche Grüße
Gesine Braun

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Chefredakteurin Harvard Business manager: Gesine Braun (V.i.S.d. § 18 Abs. 2 MStV)
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