Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Vor unserem Redaktionsgebäude beginnt einer der schönsten Radwege Hamburgs. Er führt direkt an einem Elbe-Seitenarm entlang in die Vier- und Marschlande, ein Gemüse- und Blumenanbaugebiet, durch das sich kleine Deichstraßen schlängeln. An schönen Tagen radeln im Minutentakt kleine Grüppchen vor unseren Bürofenstern vorbei, die dort die Freiheit suchen.
Manchmal würde ich am liebsten einfach hinterherfahren.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich arbeite wirklich gern dort, wo ich bin. Ich mag unsere Inhalte, ich mag meine neue Aufgabe, und ich weiß sehr genau, was für ein Privileg es ist, meine Arbeitstage mit so vielen klugen, kreativen und freundlichen Menschen zu verbringen. Und trotzdem gibt es diese Momente, die vermutlich jede und jeder kennt, egal, wie gern man seinen Job macht: Man sitzt da, schaut kurz aus dem Fenster – und bemerkt plötzlich, dass die Lust, die sonst wie von selbst mitläuft, irgendwo zwischen zwei Terminen hängen geblieben ist.
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An solchen Tagen hilft mir eine Methode, die Robin Abrahams und Boris Groysberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Professor an der Harvard Business School, DEAR nennen – ein Akronym für die Worte Distanzierung, Empathie, Aktion, Reframing. Mir gefällt daran, dass Motivation nicht als Zufall beschrieben wird. Die beiden sind überzeugt, dass man selbst einiges tun kann, um wieder mehr Freude am Tun zu entwickeln – nicht, indem man sich Motivation einredet, sondern indem man ihr den Weg freimacht, wie bei einem zugewachsenen Pfad.
Distanzierung bedeutet: einmal die Pausentaste drücken. Fragen Sie sich, was Ihnen in den vergangenen Tagen Energie gezogen und was Energie gegeben hat. Und dann setzen Sie einen klaren Schnitt: Wirklich Feierabend machen, ohne abends doch noch einmal Mails zu checken. Diese Pausen sind kein Luxus, sie sind Voraussetzung.
Empathie
heißt vor allem: hinhören. Wenn Menschen müde werden, machen sie andere schnell zu Aufgaben: Jemand, der „noch was braucht“, eine Mail, die „noch wegmuss“, ein Termin, der „noch reinpasst“. Steuern Sie gegen. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kolleginnen und Kollegen, hören Sie ihnen wirklich zu. Arbeit ist mehr, als nur To-do-Listen abzuarbeiten.
Aktion ist dann der Teil, der Bewegung zurückbringt: nicht der große Neustart, sondern das Beenden von kleinen, abschließbaren Dingen. Fortschritt hat seine eigene Physik. Wenn etwas fertig wird, entsteht Zug.
Und schließlich Reframing
: nicht schönreden, sondern neu einordnen. Wer bin ich jenseits meines Titels? Wem nützt das, was ich tue? Meinem Team, unseren Autorinnen und Autoren oder Ihnen als unseren Lesenden? Aufgaben machen mehr Spaß, wenn man sich an das eigene Warum erinnert – und daran, für wen es einen Unterschied macht.
Wenn Sie Lust haben, probieren Sie es nächste Woche als kleine, freundliche Verabredung mit sich selbst: Jeden Tag eine Minihandlung pro DEAR-Element – ein Moment Abstand, ein Moment Menschlichkeit, ein kleiner Abschluss, ein neuer Blick auf das Warum. Zehn Minuten reichen oft, um den Tag wieder zu öffnen. Falls Sie dafür Inspiration brauchen: Hier geht es zum Artikel: „
Keine Lust auf Arbeit? Mit diesen Tricks finden Sie Ihre Motivation wieder (HBm+)“.
Und jetzt bin ich neugierig: Was sind Ihre Routinen, wenn Sie merken, dass die Luft kurz raus ist? Schreiben Sie es mir gern.
Herzliche Grüße und einen guten Start in die Woche
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