Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Bei uns um die Ecke gibt es einen kleinen Badeteich (von dem wir Stammgäste natürlich behaupten, er sei der schönste Norddeutschlands). Wer das dazugehörige Gelände verlassen will, muss eine Drehtür passieren. Sie ahnen es: An sonnigen Abenden ist sie ein echtes Nadelöhr.
Kurz vor dem Ausgang der kleinen Badeanstalt lässt sich deshalb häufiger das beobachten, was Nico Rose, Autor, Berater und ehemaliger Professor für Wirtschaftspsychologie, ein Mini-Ballett nennt: Die Choreografie beginnt mit vorsichtigen Blicken, dann folgt ein angedeutetes Links-rechts, ein zögerliches Pas de deux vor der Drehtür. Am Ende ist es meist ein freundliches Lächeln und aufmunterndes Handzeichen, das die Situation auflöst. „Bitte, gehen Sie zuerst“, signalisiert es.
Nico Rose bezeichnet solche Szenen als Statusverhandlung. Lassen Sie sich von dem Wort nicht in die Irre führen, der Autor unseres Textes
„Wer zuckt als Erster? So dominieren Sie das Spiel der Statussignale“ meint damit nicht den Status, der auf einer Visitenkarte oder in einem polierten LinkedIn-Profil festgehalten ist, sondern die flüchtige, situative Variante. Jene, die in Bruchteilen von Sekunden entsteht und darüber entscheidet, wer den Vortritt bekommt.
Was an der Drehtür unseres Schwimmteichs oft wie eine lustige Bagatelle wirkt, passiert im Büro ständig und hat deutlich weitreichendere Folgen. Dort kollidieren nicht Körper, sondern Wortmeldungen: Wer darf ein Meeting beginnen? Wer fasst zusammen? Wer entscheidet, ob ein Gedanke als „interessant“ gilt oder sofort wieder beerdigt wird?
Häufig hat all das nichts mit der Güte der geäußerten Idee, sondern mit kleinen Signalen zu tun, die erst beim genaueren Betrachten offensichtlich werden: kurze Pausen, bevor geantwortet wird, ein leicht veränderter Tonfall, ein ungewöhnliches Sprechtempo. Rose sagt: „Wer diese situativen Statussignale erkennt, sieht das Geschehen in Organisationen mit anderen Augen.“
Leadership, um im Beispiel zu bleiben, beginnt oft in dem Moment, in dem alle gleichzeitig vor der Drehtür stehen. Denn dann braucht es jemanden, der den Durchgang möglich macht, damit es weitergeht und möglichst viele Menschen möglichst schnell passieren können. Manchmal heißt das, Klarheit zu schaffen, die eigene Absicht unmissverständlich zu machen und entschlossen den ersten Schritt nach vorn zu gehen. Und manchmal heißt es, bewusst zur Seite zu treten: Raum zu geben, eine schüchterne Stimme hereinzuholen, einen Gedanken zu schützen, bevor er kleingeredet wird, oder den Impuls zu unterdrücken, alles sofort zu bewerten. Beides ist Macht, nur unterschiedlich eingesetzt.
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Wo und wie erleben Sie dieses leise Austarieren von Machtverhältnissen? Und welche Taktik verfolgen Sie dann? Schreiben Sie mir gern.
Herzliche Grüße und einen schönen Dienstag wünscht Ihnen
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