Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Neulich habe ich eine Abschiedsrede für eine frühere Kollegin gehalten. Wir kennen uns gut, deshalb war es mir wichtig, die richtigen Worte zu finden. Ich stehe inzwischen relativ häufig mit einem Mikro in der Hand vor Menschen, aber an diesem Abend war ich doch ganz schön nervös – vermutlich, weil es eben nicht nur um die Rede ging.
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Spätestens dann, wenn sich alle Blicke auf einen richten, merkt man: Der Inhalt, den man vortragen will, ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist das, was man nicht wirklich notieren kann. Die Tatsache, wie man einzelne Sätze betont, in welchem Tempo man spricht, wie häufig man auf die eigenen Notizen schaut und vor allem die Frage, ob die Zuhörenden das Gefühl haben: Da meint jemand wirklich, was sie oder er sagt.
Je weiter oben Menschen auf der Karriereleiter stehen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf solche Situationen treffen. Spitzenjobs bringen Präsentationen, Townhalls, Moderationen gleich mit. Umso erstaunlicher ist, wie oft Organisationen stillschweigend voraussetzen, dass ihre Talente sich das unterwegs schon beibringen werden – irgendwie, irgendwo, irgendwann, zwischen Zahlen, Terminen und Verantwortung.
Vielleicht erklärt das, warum das Interview „
Warum ‚Sei einfach du selbst‘ auf der Bühne ein schlechter Rat ist
“, das meine Kollegin Wiebke Harms mit der Rhetorik-Coachin Friederike von Mirbach geführt hat, bei uns im vergangenen Monat einer der meistgelesenen Artikel war. Mirbach weiß, wie es ist, wenn auf der Bühne etwas schiefgeht: wenn ein Mikro ausfällt oder der Nebenmann plötzlich eine andere Geschichte erzählt als verabredet. Sie war lange Schauspielerin, heute coacht sie Topmanagerinnen und -manager – und übersetzt ihr früheres Bühnenhandwerk in Führungssituationen.
In dem wirklich lesenswerten Gespräch geht es vor allem um das, was Menschen behalten, wenn das Mikro schon wieder abgeschaltet ist – und nicht selten hat das wenig mit dem Inhalt, dafür viel mit dem Auftritt zu tun. Für Mirbach ist die Kunst, vor anderen Menschen überzeugend aufzutreten, echtes Handwerk: Wie stehe ich da, wenn es ungemütlich wird? Wie spreche ich, wenn ich mit manchen Dingen, die ich kommunizieren muss, hadere? Und welche Sätze tragen wirklich?
Besonders interessant wird es dort, wo es wehtut: bei schlechten Nachrichten. Mirbach erklärt etwa, warum der verbreitete Reflex, Dinge weich zu formulieren, häufig das Gegenteil erreicht. Klarheit bedeutet nicht Härte, sondern Verlässlichkeit. Und Vertrauen entsteht, wenn das Gesagte und das Gemeinte deckungsgleich wirken.
Wann standen Sie zuletzt vor Menschen – und hatten das Gefühl, dass nicht nur Ihre Inhalte zählen, sondern auch das, was nicht gesagt wird? Schreiben Sie mir gern.
Herzliche Grüße
Gesine Braun
PS: Das Interview mit Friederike von Mirbach ist übrigens in unserer neuen digitalen Reihe „Leadership Weekly“ erschienen. Wenn es Ihnen gefällt: Sie können die Artikel abonnieren. Dann landet neben „Lead Forward“ noch ein weiterer Führungsimpuls in Ihrem Postfach.
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