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Dienstag, 22. September 2026

Lead Forward

Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
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Gesine Braun
Liebe Leserin, lieber Leser.

Wenn ich es schaffe, gehe ich zweimal die Woche in ein Fitnessstudio, das von einem sehr besonderen Physiotherapeuten geführt wird. Ich könnte viel über diesen Ort erzählen: über das Trainingskonzept, die Fortschritte – ich hoffe, ich schaffe bald meinem ersten Klimmzug – und auch darüber, wie viel dort gelacht wird. Sollte das einer meiner Mittrainierenden lesen: Ich habe so viel Spaß mit euch!

Aber all das wird diesem Ort nicht wirklich gerecht. Denn was ihn wirklich auszeichnet, ist unser Trainer. Es gibt in einer Großstadt wie Hamburg viele Sportstudios, aber vermutlich wenige, die durch ihren Betreiber so geprägt werden. Dabei ist er kein Mann der großen Gesten und kann auf den ersten Blick fast ein wenig schroff wirken. Es kann beispielsweise durchaus vorkommen, dass er einen Neuzugang erst einmal fünf Minuten lang stehen lässt. Wer ihn kennt, ahnt, dass er die Zeit nutzt, um sich den Menschen aus dem Augenwinkel ganz genau anzuschauen.

Denn das tut er. Er beobachtet detailliert, wie jemand sein Studio betritt, und achtet längst nicht nur auf die Bewegungen, sondern auch darauf, wie jemand von sich erzählt und wie sie oder er anderen begegnet. Unser Trainer merkt sofort, wenn jemand lieber über Sport spricht, als tatsächlich Sport zu machen – und erkennt früh, wer wirklich dranbleibt. Das meiste davon kommentiert er nicht. Lob verteilt er sehr sparsam. Aber wenn er mal etwas oder jemanden herausstellt, merkt man: Er weiß sehr genau, wer vor ihm steht – und was diese Person ausmacht. Einmal hat er mich damit fast zu Tränen gerührt.

In der Arbeitswelt hat dieses genaue Hinsehen einen Namen: Mattering. Genau darum geht es in unserem Artikel „Wie Sie Ihre Leute (und Ihren Umsatz) groß machen“ des Organisationsforschers Zach Mercurio, den ich Ihnen heute gern empfehlen möchte. Denn wer sich gesehen fühlt, empfindet sich als ernst genommen. Im Sport kann das die Motivation erhöhen, im Unternehmen die Bindung.

Ich weiß als Chefin sehr genau, wie schwierig es ist, Menschen das Gefühl zu geben, dass sie gesehen werden. Fast jeden Abend fällt mir jemand aus meinem Team ein, den ich eigentlich noch anrufen wollte, weil wir schon zu lange nicht mehr richtig miteinander gesprochen haben. Das Problem ist nur: Wenn ich auf einen ruhigen Tag warte, wird es nie etwas. Kaum taucht eine Lücke im Kalender auf, ist sie auch schon wieder gefüllt.

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Dabei ist das Gefühl, für andere wichtig zu sein und etwas zu bewirken, ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Wird es nicht erfüllt, entsteht schnell der Eindruck, egal zu sein. Hier schließt sich der Kreis: Meinem Physiotherapeuten gelingt es, Wertschätzung ganz nebenbei zu vermitteln. Er passt beispielsweise manchmal im Vorbeigehen ein Gerät an, weil er merkt, dass jemand sich an diesem Tag überschätzt oder einfach nicht gut drauf ist. Das geschieht meist wortlos und wie beiläufig, hilft aber enorm.

Wertschätzung braucht kein großes Brimborium. Mercurio sagt: Sie beginnt damit, genau hinzuschauen und die kleinen Dinge zu benennen. Warten Sie deshalb nicht, bis ein großes Projekt beendet ist. Sagen Sie lieber mindestens einmal am Tag, was ein Teammitglied wirklich auszeichnet – sei es, dass eine Kollegin in einem schwierigen Gespräch ruhig geblieben ist, obwohl das eigentlich nicht ihrem Naturell entspricht. So einfach – und so anspruchsvoll – kann Führung sein.

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Wem in Ihrem Arbeitsalltag könnten Sie heute zeigen, dass Sie ihn oder sie sehen – und den Beitrag wertschätzen? Und was gefällt Ihnen an Mercurios Artikel am besten? Schreiben Sie mir (und ihm oder ihr) gern. Ich freue mich auf Ihre Post!

Eine gute Woche wünscht Ihnen
Gesine Braun

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Chefredakteurin Harvard Business manager: Gesine Braun (V.i.S.d. § 18 Abs. 2 MStV)
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