Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte
Gesine Braun
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Am allerliebsten fahre ich mit dem Rad in die Redaktion. Ich liebe es, meine Gedanken schweifen zu lassen, während ich an einem der Elbe-Seitenarme entlangfahre, die auf meinem Weg zur Arbeit liegen. Vielleicht ist es das ruhige Pedalieren – aber nicht selten habe ich auf genau dieser Strecke die besten Ideen.
Neulich musste ich dennoch mal das Auto nehmen und stand – wie Tausende andere Hamburgerinnen und Hamburger – im Stau. Es gibt ja Menschen, die behaupten, auch dort Freude zu finden. Etwa indem sie die Pendelzeiten zum Telefonieren nutzen. Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich fühle mich im Auto eingesperrt und blicke dann sehnsüchtig auf die, die draußen sind (ja, auch im Winter und wenn es regnet).
Peter und ich kennen uns schon viele Jahre. Er lebt, anders als ich, mitten in der Stadt und liebt es, wenn im Sommer im Hof direkt unter seinem Schlafzimmerfenster eine zufällige Lesung stattfindet. Ich erzähle Ihnen das nicht nur, weil ich ein Fan von Peters Texten bin, sondern auch, weil Wohnen etwas sehr Privates ist, zugleich aber großen Einfluss darauf hat, wie zufrieden wir morgens bei unserer Arbeitsstätte ankommen.
Fragen Sie sich gerade, was dieses Thema in einem Magazin zu suchen hat, das sich mit der aktuellen Forschung zu Management und Leadership beschäftigt? Ich bin überzeugt: Genau hier gehört es hin.
Denn Führung beginnt nicht erst, wenn jemand den Laptop aufklappt. Sie beginnt viel früher – in dem Moment, in dem Menschen entscheiden, ob sie den Weg zur Arbeit gern auf sich nehmen wollen. Das hat etwas mit dem Gefühl von Wirksamkeit zu tun, mit der Freude an der eigentlichen Aufgabe – und mit dem Aufwand, den es kostet, den Weg zurückzulegen. Seit Technologie und Gewohnheit hybride Arbeit zu einer durchaus realistischen Angelegenheit gemacht haben, müssen Bürogebäude mehr sein als rein funktionale Arbeitsstätten. Peter schreibt: „Wer seine Leute sehen will, muss ihnen das Kommen erleichtern und das Bleiben nahelegen.“
Wie das gelingt? Indem Büros zu Orten werden, die Menschen etwas ermöglichen, das remote nur schwer nachzubauen ist: beiläufiges Lernen, schnelle Rückfragen, kurze Abstimmungen zwischen Tür und Angel – und eine große Prise Wohlfühlen und sozialer Austausch. Genau um solche Wissencampus geht es in „Das Büro ist nicht tot. Es ist nur zu weit weg.“
Einer der Autoren ist Richard Florida, Professor an der University of Toronto, und bekannt für seine Arbeiten zur „Creative Class“ und zur Frage, warum Orte dann besonders innovativ werden, wenn sie Talent anziehen.
Arbeit muss nicht immer nur Spaß machen, ein bisschen Schwarzbrot gehört in jedem Job dazu. Aber wenn Sie sich als Chefin oder Chef mitunter auch fragen, was es braucht, damit Ihre Mitarbeitenden abends zufriedener nach Hause gehen, empfehle ich die beiden Texte sehr. Spoiler: Es kann sein, dass Sie danach mit Ihrem Büro Umzugspläne schmieden.
Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Kommen Menschen dort gern zusammen? Und was tun Sie – ganz konkret –, damit der Weg ins Büro nicht nur „machbar“ ist, sondern sich lohnt? Schreiben Sie es mir gern.
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