In der Wagniskapital-Szene gibt es zwei Währungen: Geld – und Kontakte. Der Finanzjongleur und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte von beidem reichlich. Wir haben uns in den vergangenen Tagen durch die neu veröffentlichten Epstein-Files gewühlt, und siehe da: Als
Verbindungsmann auch in die deutsche Tech- und Fintechszene (m+) diente der öffentlichkeitsscheue Investor Ian Osborne (42) – der sich mit dem Fonds Hedosophia auch an N26, Raisin, Bitpanda und Scalable Capital beteiligte.
Unsere Themen der Woche:
Die Epstein-Connections des Fintech-Investors
Die wundersame Erfolgsstory der Finfluencerin Carmen Mayer
Zehn Jahre nach dem N26-Hack: Was hat die Branche dazugelernt?
Topstory: Jeffrey Epsteins Verbindungsmann in die deutsche Techszene
Scheuer Investor: Hedosophia-Gründer Ian Osborne machte einst Karriere bei DST
Pier Marco Tacca / Getty Images
Die geheimen Partys von Ian Osborne (42) sind in der Wagniskapitalszene berüchtigt. Doch öffentlich hält sich der Investor zurück. Dass er mit seinem Fonds Hedosophia an N26, Bitpanda und Scalable Capital beteiligt ist, wissen viele nicht einmal. Die veröffentlichten Dokumente des US-Justizministeriums ermöglichen nun Einblicke in Osbornes Geschäftsgebaren und in seine enge Beziehung zum 2019 verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein
. Beide standen wohl über Jahre in Kontakt, wie zahlreiche Mails belegen. Mal ging es dabei um Imagepflege, mal um eine Beteiligungsofferte an Zalando – und sogar um die Hedosophia-Struktur, als Osborne den Fonds einst mit dem Verlagserben Jacob Burda (35) startete. Was in den Dokumenten steht und was der Hedosophia-Gründer dazu sagt, haben meine Kollegen Caspar Schlenk und Anna Driftschröer für euch recherchiert (m+).
Exklusiv: Die wundersamen Aktientipps der Carmen Mayer
Millionengeschäft: Coachin und Influencerin Carmen Mayer
Carmen Mayer
Carmen Mayer (41) ist omnipräsent. Ob Buch, Instagram, Podcast, Interviews – überall verkauft die Finfluencerin ihr Erfolgsnarrativ von „Mami goes Millionär“. Es handelt von einem kleinen Mädchen, das aus Polen einwanderte und später hochschwanger quasi nebenbei mit Aktiendeals „reich“ wurde. Ähnliches verspricht Mayer nun anderen Frauen – und lockt sie mit ihrem Märchen in ihre Coachings, mit denen allein sie heute Millionen verdient. Unser Autor Nils Heck hat Imperium und Story genauer unter die Lupe genommen und stellte fest:
Je näher man hinschaut, desto weniger passt alles zusammen. (m+)
Podcast: Fintech-Hacker Vincent Haupert
Ex-Hacker: Vincent Haupert suchte früher nach Sicherheitslücken im Onlinebanking
[M] Yaxi; manager magazin
Vor zehn Jahren machte Vincent Haupert (36) als „N26-Hacker“ Schlagzeilen. Auch bei der Commerzbank und der Deutschen Bank
fand der promovierte Informatiker schon Schlupflöcher. Heute warnt er: Viele Fintechs hätten bei der Sicherheit kaum dazugelernt, manche Systeme seien noch immer „offen wie ein Scheunentor“. In der neuen Folge des „Finance Forward“-Podcasts ordnet er die aktuelle Bedrohungslage im Onlinebanking ein, erklärt, welche neuen Angriffsflächen durch KI entstehen – und was das für Kundinnen und Kunden bedeutet. Außerdem spreche ich mit ihm über sein Open-Banking-Fintech Yaxi, seinen jüngsten Exit an den Mittelständler Reiner und die Lektionen aus seiner Zeit bei der Multibanking-App HeyMoney. Aber hört selbst:
Zehn Jahre nach dem N26-Hack.
Köpfe: Jimmy Donaldson ++ Konstantin Kotulla ++ Patrick Collison ++ Jack Dorsey ++ Cameron und Tyler Winklevoss ++
YouTube-Unternehmer:Jimmy Donaldson, besser bekannt als Mr. Beast
Fayez Nureldine / AFP
Jimmy Donaldson (27), Gesicht und Gründer des YouTube-Imperiums MrBeast, hat das US-Fintech Step gekauft
. Die Neobank richtet sich primär an Teenager – genau wie MrBeasts virale Videos. Next Step? Offenbar ein gemeinsames Angebot unter dem Namen „MrBeast Financial“.
Konstantin Kotulla (32) sammelt für sein neues KI-Fintech Porters 2,7 Millionen Euro ein, unter anderem von den Investoren Earlybird, Seedcamp und Upvest-Gründer Martin Kassing (40), seinem ehemaligen Chef. Zusammen mit Christopher Barth und Michael John entwickelt er eine KI-Hilfe für Banken, um Hintergrundprozesse besser zu automatisieren – etwa Kontopfändungen oder Insolvenzanmeldungen bei Kunden.
PatrickCollison (37), Gründer und CEO von Stripe, bereitet offenbar den Verkauf von Firmenanteilen über ein sogenanntes „Tender Offer“ vor. Der Wert des Zahlungsdiensts könnte infolgedessen von 107 auf 140 Milliarden Dollar steigen, wie die US-Nachrichtenseite „Axios“ erfahren hat.
Jack Dorsey (49), Seriengründer, entlässt bei seinem Bezahldienst Block offenbar 10 Prozent der Belegschaft, wie „Bloomberg“ meldet. Anleger hatten das Fintech nach der Q3-Bilanzvorstellung abgestraft – der Kurs sank seither um 25 Prozent. Block selbst äußerte sich nicht zu den Plänen.
Cameron und Tyler Winklevoss
(beide 44) ziehen sich mit ihrer Kryptobörse Gemini aus Europa, Großbritannien und Australien zurück, angeblich mangels Nachfrage. Kunden können ihre Assets bis zum 6. April abziehen oder im Rahmen einer Partnerschaft zu Etoro übertragen – womit auch der größte Gewinner des Exits ermittelt wäre.
Zahl der Woche: 16.000.000
Der Super Bowl ist längst nicht nur ein Endspiel, sondern auch die inoffizielle Weltmeisterschaft der Werbetreibenden. Dieses Jahr kosteten 30 Sekunden Reklame im Schnitt 8 Millionen Dollar – rein rechnerisch hat die Kryptobörse Coinbase für ihren einminütigen Clip also vermutlich 16 Millionen auf dem Rasen gelassen. Viel Budget für die Produktion scheint dann nicht mehr übrig geblieben zu sein. Zuschauer sahen lediglich den Karaoketext für „Everybody“ von den Backstreet Boys
und bekamen auch gleich die wichtigsten Fragen vorgesungen: „Am I original? Am I the only one?“ Na ja.
83 Tage bis zur FFWD26
Am 5. und 6. Mai bringen wir unter dem Label FFWD26 den Journalismus von „Finance Forward“ und des manager magazins auf die Bühnen des OMR Festivals
in Hamburg. Ihr könnt dabei einige der wichtigsten Köpfe der Fintech-, Banken- und Kryptoszene live erleben. Die Übernachtungsmöglichkeiten in Hamburg sind erfahrungsgemäß schnell weg. Deswegen haben wir euch dieses Jahr ein besonderes Paket geschnürt: Mit dem OMR26 Festival & Hotel Pass bekommt ihr das Eintrittsticket, eine Masterclass, Zugang zur Afterparty plus drei Nächte im Hotel für nur 999 Euro. HIER GEHT’S ZUM TICKETSHOP.
Margin Call: Teurer Tippfehler bei Bithumb
Plötzlich Bitcoin-Millionär: Die südkoreanische KryptobörseBithumb leistete sich einen folgenschweren Tippfehler
REUTERS
Die südkoreanische Kryptobörse Bithumb
wollte eigentlich nur ein bisschen Kleingeld unter die Leute bringen: Ausgewählte Kundinnen und Kunden sollten im Rahmen einer Werbeaktion 2000 Won erhalten, umgerechnet gut 1,15 Euro. Stattdessen hatten zahlreiche Nutzer plötzlich 2000 Bitcoins im Wert von etwa 113 Millionen Euro auf dem Konto. Bis der Fehler 20 Minuten später auffiel, hatten einige ihre Coins natürlich längst verkauft. Gesamtschaden: 1788 Bitcoins. Zudem droht Bithumb jetzt Ärger mit den Behörden, weil der Blitzverkauf die Kurse auf der eigenen Plattform durchschüttelte.
Das Fintech beteuert derweil: „Dieser Vorfall steht nicht im Zusammenhang mit Hackerangriffen oder Sicherheitslücken.“ Stimmt. Das Problem saß offenbar nicht im Code, sondern am Bildschirm: Ein Mitarbeiter verklickte sich bei der Auszahlungswährung. An einem Freitag um 19.30 Uhr. Vielleicht ist die einfachste Präventionsmaßnahme daher: einfach mal früher Feierabend machen?
Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter financeforward@manager-magazin.de. Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter
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