Ein bekannter Fintech-Investor schrieb mir gestern „Back to the good times“, als wir uns über einen anstehenden Megadeal austauschten, den ihr heute im Newsletter lest. Was er sagen will: Einiges fühlt sich wieder nach einer Hypephase an – es gibt für Start-ups irre Bewertungen und riesige Finanzierungsrunden. Gleichzeitig hat die Gründerszene noch immer mit den Folgen des letzten Investment-Exzesses zu kämpfen, der dazu führte, dass der Wert von vielen Mitarbeiteraktien in sich zusammenfiel. Hier kommen die guten und schlechten Nachrichten dieser Woche.
Unser Topthema: Die Reichtums-Illusion der Start-up-Mitarbeiter
Böses Erwachen: Viele Angestellte aus der Start-up-Welt sind durch ihre Mitarbeiteraktien nur scheinbar reich geworden
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Für viele Angestellte in Start-ups gab es diesen einen Posten in ihrem Depot, auf dem die große Hoffnung ruhte: die Aktien oder Anteile, die sie von ihrem Arbeitgeber bekommen hatten. Große Fintech-Player wie Solaris oder Klarna
wollten so ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am möglichen Erfolg beteiligen – und möglicherweise bei einem Börsengang oder Verkauf auf einen Schlag reich machen. So lockten sie und viele andere Start-ups die Toptalente von Konzernen oder Beratungsfirmen trotz niedriger Grundgehälter in die Digitalbranche. Doch die Realität sieht düster aus: Die Bewertungen der Mitarbeiteraktien, die einst teilweise sechsstellige oder gar siebenstellige Beträge ausgewiesen haben, sind teils kaum mehr etwas wert.
Der Reichtum entpuppt sich als Illusion (m+) – für einige werden die Beteiligungsprogramme sogar zum Minusgeschäft! Mein Kollege Jonas Rest und ich haben die Hintergründe recherchiert und zeichnen sehr konkrete Fälle nach. Oder um es in den Worten eines betroffenen Solaris-Entwicklers zu sagen:
„Hätte ich lieber in einen Shitcoin investiert.“ (m+)
Exklusive News: Fintech-Star Pennylane drängt nach Deutschland
Geldgeberin: Sequoia-Partnerin Luciana Lixandru glaubt an Pennylane
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Mit Headhuntern fahndet das französische Fintech-Einhorn Pennylane zurzeit nach einem Chef oder einer Chefin, um auf dem deutschen Markt zu expandieren. Eine eigene Gesellschaft hat Gründer Arthur Waller (35) bereits angemeldet. Das Buchhaltungs-Start-up, das erst vor einem Jahr zu einem Milliarden-Start-up aufstieg, meint es ernst: Zu einer Bewertung von 2 Milliarden Dollar soll die Firma noch einmal Geld eingesammelt haben. Der Investor Meritech
beteiligt sich unter anderem, heißt es von Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind. Das Geld soll explizit den Eintritt in den deutschen Markt finanzieren. Sequoia-Investorin Luciana Lixandru (40) hat die letzte Finanzierung bereits angeführt. Über den Aufsteiger mit Deutschlandambitionen.
Köpfe: Ingo Uytdehaage ++ Thomas Kehl ++ Larry Fink ++ Ferdinand Dabitz ++ Jeremy Allaire ++ Christian Schneider-Sickert
Big Business: Als CEO von Adyen führt Ingo Uytdehaage eine 40-Milliarden-Euro-Company
Adyen
Ingo Uytdehaage (51) leitet einen der wenigen europäischen Tech-Champions: Adyen – aktuell an der Börse in Amsterdam mit rund 40 Milliarden Euro bewertet. Der Firma gelang in den Anfangsjahren ein Aufstieg gemeinsam mit vielen Rocket-Internet-Firmen, die eine schnelle Internationalisierung einforderten. Adyen konnte sie liefern. Mittlerweile wickelt der Payment-Anbieter für Kunden wie Netflix und Facebook im Hintergrund die Zahlungen ab und zählt zu den global wichtigsten Zahlungsdienstleistern. Der Co-CEO Uytdehaage
wird am 6. und 7. Mai nach Hamburg kommen und spricht dort auf dem OMR-Festival über die Geschichte von Adyen, den Wettbewerb und seinen Blick auf die aktuelle Fintech-Welt. Alle Informationen und Tickets erhaltet ihr hier.
Thomas Kehl (35) hat sich mit seinem Portal Finanzfluss
innerhalb von wenigen Jahren zu einer festen Größe unter den Finfluencern etabliert, auf YouTube verfolgen seine Videos 1,5 Millionen Menschen. Mit seinem Start-up setzt er inzwischen auch auf eine eigene App und Finanzvergleiche. In die Berliner Firma hat sich jetzt der Szenekopf und Mydealz-Gründer Fabian Spielberger (41) eingekauft. Er hält künftig 11 Prozent an dem Unternehmen. Übrigens: Auch Kehl ist auf unserer Finance-Forward-Bühne in Hamburg zu sehen.
Larry Fink
(72), CEO des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, warnt in seinem jährlichen Brief an die Investorengemeinde davor, dass der Bitcoin den Dollar als globale Reservewährung ablösen könnte. Und er prophezeit eine neue goldene Anlageregel. Statt nach der 60-40-Logik (60 Prozent Aktien/40 Prozent Anleihen) werde ein typisches Depot künftig nach der 50-30-20-Logik strukturiert sein (zusätzlich 20 Prozent Infrastrukturinvestments). Logisch, dass BlackRock sich entsprechend positioniert hat. Hier geht es zum Brief
.
Ferdinand Dabitz (23) kann mit seinem Open-Banking-Start-up Ivy einen Erfolg verbuchen: Der milliardenschwere Paymentanbieter Mollie bindet den Service von Ivy künftig als Zahlungsmethode ein. Bei dem Verfahren „Pay by bank“ löst man die Zahlung direkt über das eigene Bankkonto aus. Was steckt dahinter?
Jeremy Allaire (53), Gründer und Chef des Stablecoin-Anbieters Circle
, wagt den nächsten Anlauf an die Börse. In einem sogenannten Spac-Deal versuchte das Unternehmen schon einmal den kurzen Weg an die Börse, doch die Aufsicht SEC gab kein grünes Licht. Nun setzt die Firma auf einen klassischen Börsengang. Die angestrebte Bewertung liegt bei 4 bis 5 Milliarden Dollar.
Christian Schneider-Sickert (52) gehört mit seinem Start-up Liqid
zu den wenigen Anbietern, die im deutschen Markt mit einem sogenannten ELTIF die 100-Millionen-Euro-Marke geknackt haben. Eine Scope-Studie ergibt, dass es nur drei weitere Unternehmen gibt. Reminder: ELTIF ist ein Finanzprodukt, mit dem auch in Anlageklassen wie Private Equity investiert werden kann – ein Trend. Insgesamt eine Milliarde Euro haben Anlegerinnen und Anleger laut Studie im vergangenen Jahr neu in ELTIFs gesteckt.
Schnellanalyse der Woche: TikTok Shop in Deutschland
Alles neu macht der … April. Seit Anfang der Woche gibt es nicht nur KI bei WhatsApp und bei Appleauf dem iPhone. Auch TikTok
ist mit seinem eigenen Onlineshop in Deutschland gestartet. Gerade die Payment-Branche schaut genau darauf, wie die Zahlungen der umstrittenen App funktionieren. Die wichtigsten Bezahlarten seien integriert, analysiert der Payment-Experte Stefan Hölscher aus der Otto Group. Dazu zählen Apple Pay, Kreditkarten, PayPal und Klarna-Methoden. Doch müsse man noch seine Adresse händisch eingeben – das entspreche nicht den „Best in class“-Lösungen, die teilweise die Adresse vom Zahlungsanbieter übernehmen, so Hölscher
auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn. Auch fehle das Lastschriftverfahren. Schon kleine Details können im Onlinehandel einen Unterschied machen.
Margin Call: Dogecoin
Doge-Style: Obersparkommissar Elon Musk in Dienstkleidung
Samuel Corum / Getty Images
Techmilliardär und Trump-Günstling Elon Musk (53) ist sich eigentlich für keinen schlechten Scherz zu schade. Als er nach der US-Wahl eine Behörde startete, um die Verwaltung effizienter zu machen, wollte er sie eigentlich Government Efficiency Commission nennen, aber das sei ein „super boring“ Name, so Musk. Das Akronym GEC klang auch nicht nach Gag. „Then the internet said it needs to be the Department of Government Efficiency“, so Musk. „I was like Internet is right.“
Doge war natürlich lustiger, erinnert schließlich an die Krypto-Spaßwährung Dogecoin, deren erklärter Fan Musk in der Vergangenheit war. Es gab daraufhin wilde Spekulationen, dass die Regierung die Währung eventuell sogar einsetzen könnte. Nach der Wahl stieg der Kurs erst einmal. Doch nun die Ernüchterung. „Es gibt keine Pläne der Regierung, Dogecoin zu verwenden“, sagte Musk vor wenigen Tagen. Der Kurs fiel daraufhin, wenn auch nicht stark. Vielleicht haben die eingeschworenen Kryptofans noch Hoffnung, dass Musk seine Meinung ändert. Oder, um wieder auf den Anfang dieses Newsletters zu kommen: „Back to the good times.“
Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch unter financeforward@manager-magazin.de. Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter
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