Der aktuelle Harvard Business manager im Überblick
Liebe
Leserin, lieber Leser.
Richtig gut führen „Ohne Liebe ist Exzellenz nicht erreichbar“
Lange hatte der englische Bestsellerautor und Speaker Marcus Buckingham damit gehadert, das Wort „Liebe“ im beruflichen Kontext zu verwenden. Heute weiß er: Menschen beschreiben damit Momente, in denen sie sich größer und besser fühlen, die sie wachsen lassen.
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Englishman in USA: In Kalifornien hat der gebürtige Brite Marcus Buckingham
inzwischen seinen Wohnsitz
Patrick Strattner / Harvard Business manager
Im Titelinterview erklärt Buckingham, warum Liebe zur Arbeit ein erstaunlich zuverlässiger Prädiktor für herausragende Leistungen ist, aber man nicht jeden Aspekt seines Jobs lieben muss. Er selbst genieße es etwa, auf großer Bühne gut vorbereitet über ein vertrautes Thema zu sprechen. Gleichzeitig hasse er es, beim Abendessen spontan eine Rede zu halten.
Führungskräfte sollten ihre Teammitglieder bei der Suche nach jenen Aufgaben unterstützen, die ihr Herz höherschlagen lassen. Künstliche Intelligenz sei durchaus nützlich, betont Buckingsham, aber ihr fehle echtes Gefühl – genau das also, was Führung im Kern ausmache.
Fake News, gezielte Falschmeldungen, die wie echte Nachrichten wirken und sich rasend schnell verbreiten, treffen Unternehmen aller Branchen. Ein einziger manipulierter Tweet, ein gefälschtes Video oder ein missverständliches Zitat reicht, um Aktienkurse zum Absturz zu bringen und Vertrauen bröckeln zu lassen. Klassische Reaktionen wie eine Richtigstellung oder Löschung greifen zu kurz, denn Menschen orientieren sich vor allem an der Mehrheitsmeinung. Mit einer klugen Social-Proof-Strategie bringen Unternehmen ihren eigenen sozialen Rückhalt in Spiel. So lässt sich Vertrauen zurückgewinnen und die Kraft der Marke sogar ausbauen.
Reinigende Wirkung: Ein Projekt zu beenden, ist dann kein Rückzug, sondern eine Rückkehr zum Wesentlichen
Nataliia Mach / Alamy / mauritius images
Viele Unternehmen halten aus Gewohnheit oder Stolz an Projekten fest, deren Nutzen längst verpufft ist. Eigentlich wäre es Zeit für einen Schlussstrich. Nur: Wie beendet man ein Projekt mit Klarheit, Würde und sogar mit einem Wertzuwachs?
Ein neurowissenschaftlicher Ansatz, das 4-R-Modell, hilft Führungskräften bei dieser Aufgabe. „Retire“ heißt: das Ende offiziell machen, transparent kommunizieren, Beiträge würdigen – kein stilles Verschwinden. „Redirect“ bedeutet, frei gewordene Budgets und Talente gezielt auf lohnendere Initiativen zu lenken. Mit „Repackage“ werden wertvolle Ergebnisse – Daten, Code, Designs – gerettet und für neue Zwecke nutzbar gemacht. „Reflect“ schafft Raum für ehrliche Rückschau: Was war sinnvoll, was nicht, was lernen wir fürs nächste Mal?
Mit einer solchen Exit-Strategie erzählt das Projektende dann nicht mehr vom Scheitern, sondern davon, wie Unternehmen lernen loszulassen. So schaffen sie Platz für das nächste, bessere Kapitel.
War es Facebook, Yelp oder "Hot or Not"?
Offenbar war einfach die Zeit reif für ein Daumen-hoch-Symbol
Hyperthalamuscorp
Die Geschichte des Like-Buttons zeigt: Innovation geht nicht immer von Erfindergenies aus. Oft entsteht sie ungeplant und an vielen Orten gleichzeitig, als Ergebnis von Zufall, Chaos und Kooperation. So hat – anders, als viele Menschen glauben – nicht Facebook allein das Daumen-hoch-Symbol entwickelt. Offenbar war die Zeit um die Jahrtausendwende einfach reif für die Idee. Und so arbeiteten viele Akteure unabhängig voneinander an ähnlichen Lösungen, vom Bewertungsportal Yelp bis zu frühen Social-Media-Pionieren wie Hot or Not.
Der Button steht sinnbildlich für das, was echte Innovation ausmacht: Sie ist ein evolutionärer Prozess aus Experimenten, Missverständnissen und kollektiver Kreativität.
Da sein statt Lösungen anbieten:
Sie müssen nicht immer die richtigen Worte finden. Ihre Präsenz allein hat schon eine kraftvolle Wirkung.
Nikada / Getty Images
Führungskräfte bieten häufig reflexartig Lösungen an, sobald Mitarbeitende mit einem Problem auf sie zukommen. Doch oft brauchen Menschen keine Ratschläge, sondern jemanden, der ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Der Schlüssel heißt „Einstimmung“: Präsenz zeigen und Gefühle anerkennen. Diese Haltung lässt sich in fünf Schritten erlernen: Führungskräfte sollten das Gespräch bewusst eröffnen, Ruhe ausstrahlen, neugierig bleiben, auf Körpersprache achten und am Ende gemeinsam reflektieren. Statt sich als Reparaturwerkstatt zu verstehen, unterstützen Führungskräfte auf diesem Weg still, aber wirksam.
Forschungsansatz:
Durch eine experimentierfreudige Haltung können Unternehmen die mit KI einhergehende Unsicherheit in einen strategischen Vorteil verwandeln
Greg White
Viele Unternehmen erleben gerade den unangenehmen Teil der KI-Einführung: Ihre Produktivität fällt kurzfristig ab und wird erst später steil ansteigen, wenn sich die Investitionen auszahlen. Solange nicht klar ist, an welchen Stellen KI wirklich die Gewinne erhöht, sollten Unternehmen sie nicht wahllos überall ausrollen. Besser ist es, ihren Einsatz mit wissenschaftlichen Experimenten zu testen, also zu prüfen, ob KI bei ihnen funktioniert, wie, für wen und unter welchen Bedingungen.
Solche Organisationsexperimente ähneln einer wissenschaftlichen Studie: Hypothesen aufstellen, Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip verteilen und Kontrollgruppen einrichten. So lässt sich herausfinden, welche Mitarbeitenden von der Unterstützung durch KI profitieren. Vorreiter wie Siemens, Microsoft oder Procter & Gamble nutzen Experimente, um ihre neuen KI-Tools zu testen und zu optimieren.
Langfristiger Erfolg?
Corporate Ventures können, allerdings nur wenn einige Grundprinzipien bedacht werden, den Umsatz von Unternehmen nachhaltig erhöhen
Tobias Nicolai / Connected Archives
Oft hoffen Konzerne, mit unternehmensinternen Start-ups ihre Innovationskraft zu retten. Doch 87 Prozent der Corporate Ventures scheitern früh. Eine Untersuchung der TU Dortmund zeigt, woran das liegt und wie es besser geht. Am Beispiel zweier Eon-Projekte wird deutlich: Erfolg hängt weniger von Methoden ab als vom Willen, Freiraum für unternehmerisches Handeln zu schaffen.
Dafür müssen große Firmen fünf Prinzipien umsetzen: 1. Externe Partnerschaften eingehen, um Risiken zu minimieren; 2. interne Start-ups behandeln, als agierten sie am freien Markt; 3. ihre Vorteile als Großkonzern einsetzen; 4. schnelle Entscheidungen treffen; und 5. Mitarbeitende zu Intrapreneurs entwickeln.
Selbstführung „Die meisten Menschen geben zu früh auf“
Gewandelt: Der ehemalige Stuntman und Extremsportler Jochen Schweizer
(68)ist inzwischen als Mentor und Speaker unterwegs
Lara Freiburger
Jochen Schweizer hat in seinem Leben Höhen und Tiefen erfahren, sei es beim Extremsport oder im Unternehmen. Im Interview spricht der Abenteurer und Lebenskünstler über Glaubenssätze und den Erfolgsfaktor Durchhalten. Nach dem Tod eines Bungeespringers musste Schweizer sein Unternehmen neu erfinden – ein Wendepunkt, aus dem seine Idee der Erlebnisgeschenke entstand. Heute begleitet er Menschen und Teams dabei, Ängste zu erkennen und zu transformieren. Schmerz, sagt Schweizer, sei sein wichtigster Lehrmeister gewesen. Wer Furcht und Widerstände überwinde, wachse – bis hin zur Freiheit, das eigene Leben selbstbestimmt zu ge-stalten. Seine Botschaft: Glaube, wage, überwinde, wachse, fliege.
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